Nevfel Cumart

Aktuelles

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Lyrik, die Gutes tut
Benefiz-Lesung für türkische Erdbebenopfer

Zahlreiche kleinere weiße Zelte sind aufgereiht um drei größere, vermutlich Gemeinschaftszelte. Der Boden ist sandig, am linken Bildrand sieht man ein kleines Stück Wiese.
Luftbild eines Zeltdorfes in der Provinz Hatay. Bildquelle: Wikimedia

Vierzehn Monate ist es her, dass am 6. Februar 2023 die historische Stadt Antakya, das frühere Antiochia, von mehreren schweren Erdbeben großflächig zerstört wurde. Weit über fünfzigtausend Menschen starben dort und in den umliegenden Provinzen; auch in der Region des syrischen Aleppo gab es tausende Todesopfer. Noch längst sind die Folgen nicht behoben, nicht die Ruinen und der Schutt vollständig beseitigt, und die Seelen der traumatisierten Menschen werden noch lange brauchen, um wenigstens halbwegs zu heilen. Trümmer und Trauer sind (…) geblieben, die Lage ist weiterhin verheerend, schrieben die Kieler Nachrichten (KN) vor zwei Monaten aus dem benachbarten Hatay, Provinzhauptstadt und Kieler Partnergemeinde.

Viele sind nach wie vor angewiesen auf Zeltdörfer, in denen die Menschen eher hausen als wohnen, schrieben die KN und berichteten von den Kindern, deren Bildung leidet, weil Schulklassen zusammengelegt und Unterrichtsstunden verkürzt wurden.

Auch Nevfel Cumart hat das Beben schwer getroffen.

Vierzehn Verwandte und viele Freunde hat er verloren und nicht zuletzt deshalb schon Ende Februar ’23 eine Hilfsaktion ins Leben gerufen. Details dazu – und Spendenmöglichkeiten – finden Sie nach wie vor auf der Homepage dieser Website.

Im Interview mit Deutschlandradio Kultur am Jahrestag der Katastrophe sprach Cumart über die Situation vor Ort: Manche meiner Verwandten sprechen von ›Fiasko‹ oder von ›unhaltbaren Zuständen‹, also, es kommen keine guten Nachrichten. Und Besserung ist offenbar auch nicht in Sicht: Die Regierung hat ja lauthals verkündet, dass die innerhalb eines Jahres dreihunderttausend Häuser bauen würden, (…) und nach einem Jahr stehen da gerade mal eben siebentausend Häuser.

Cumart macht der Regierung schwere Vorwürfe; die Hilfe sei kaum angelaufen, es habe große Koordinierungsprobleme gegeben, Hilfsgelder seien nicht dort angekommen, wo sie hinkommen sollten. (…) Kein Mensch weiß, wohin diese Gelder gegangen sind, und kein Mensch darf auch fragen, wohin die gegangen sind. Gute Arbeit hätten dagegen private Initiativen geleistet, Vereine, Stiftungen, Hilfsprojekte. Die zeigen im Grunde genommen, wie man helfen kann.

Das Logo der Buchhandlung. In unterschiedlich großen Buchstaben steht dort collibri – Bücher & mehr! Rechts ist ein stilisierter, orangefarbener Kolibri abgebildet.

Auch er selbst möchte noch mehr tun. Deswegen veranstaltet er zusammen mit der Bamberger Buchhandlung Collibri eine Lesung, deren Einnahmen komplett an die Erdbeben-Nothilfe Adana gehen. Die Initiative plant unter anderem, in einem der Zeltlager eine Schule zu errichten.

Nevfel Cumart wird aus seinem zwanzigsten Gedichtband »Im Hinterland des Halbmondes — Gedichte eines Zweiheimischen« lesen, der Ende vergangenen Jahres als Jubiläumssammlung erschienen ist: Vor vierzig Jahren veröffentlichte der Gymnasiast Cumart in Stade seinen ersten Lyrikband.

Kommen Sie, liebe Leser*innen, also in Scharen am 16.4. um 19:30 Uhr in die Buchhandlung Collibri und helfen Sie Nevfel Cumart helfen.

In der Fränkischen Nacht gab es jetzt auch eine Ankündigung der Veranstaltung (hier als PDF-Download).

 

Zurück in der alten Heimat
Nevfel Cumart liest in Stade

Des Gesicht von Nevfel Cumart mit einem leichten Lächeln, der Hintergrund des Photos ist schwarz. Der Text auf dem Bild ist kaum leserlich, aber man erkennt »Hansestadt Stade« und das Datum, 12. April 2024.

Literaturinteressierte in »Stood«, aufgepasst: Freitag in knapp zwei Wochen, am 12. April, lohnt ein Besuch im Schwedenspeicher. Dann nämlich wird Nevfel Cumart aus seiner frisch veröffentlichten Lyriksammlung »Im Hinterland des Halbmondes — Gedichte eines Zweiheimischen« eine abwechslungsreiche Auswahl lesen.

Der Auftritt ist auch eine Rückkehr ins frühere Zuhause des mittlerweile in Bamberg lebenden Dichters: Vor 64 Jahren kamen die Eltern des ’64 Geborenen mit den ersten türkischen Gastarbeitern nach Deutschland. Cumart wuchs am Stader Elbstrand auf, wie er sich auch in einem Gedicht erinnert, das in dem Jubiläumsband enthalten ist.

»Jubiläum« gilt in mehrerlei Hinsicht: Es ist vierzig Jahre her, dass seine erste Sammlung von Gedichten in Stade erschien, und es ist zugleich der zwanzigste Gedichtband eines der produktivsten und kreativsten Lyriker seiner Generation in Deutschland.

Nevfel Cumart wird an dem Abend biographische Texte lesen, gesellschaftlich-(sozial-)politische Gedichte und Momentaufnahmen aus einem Leben in verschiedenen Kulturen. Und er wird aus seinem facettenreichen Leben als Migrant der zweiten Generation und von seiner vielfältigen Arbeit als Übersetzer und Vermittler zwischen den Welten erzählen.

Das Plakat zur Lesung gibt’s hier als PDF-Download.

 

Der Retter des BamLit

Nevfel Cumart vor einem Whiteboard mit dem Logo der Veranstaltung und der Sponsoren, vor ihm ein Tisch mit Getränken und Büchern.
Nevfel Cumart moderiert das diesjährige BamLit. Photo: Helmut Ölschlegel

Seit seiner Gründung 2016 ist das Bamberger Literaturfestival, kurz auch »BamLit« genannt, eine der herausragenden Veranstaltungen der Stadt. Bedeutende Autor*innen wie Michel Friedman, Monika Maron oder Ferdinand von Schirach waren schon zu Gast, aktuelle Trends – wie in diesem Jahr zum Beispiel das Thema Podcast – finden ihr Echo im Veranstaltungskalender. Allerdings hätte es 2024 fast kein BamLit gegeben. Dem beherzten Einsatz Nevfel Cumarts ist es zu verdanken, dass das Festival überhaupt stattfinden kann.

War er ohnehin schon seit 2017 Schirmherr der Veranstaltung, ist er in diesem Jahr zusätzlich auch für die Betreuung der anwesenden Künstler*innen und ihre An- und Abmoderation zuständig. Die Notwendigkeit, diesen – und einen weiteren – Posten neu zu besetzen, hatte sich durch gleich zwei Abschiede ergeben: Der Schriftsteller und Literaturmanager Thomas Kraft, der das BamLit von der ersten Ausgabe an kuratiert hatte, musste sich aus Zeitgründen zurückziehen; seine Aufgabe übernahm federführend einer der Mitorganisatoren, Wolfang Heyder vom Veranstaltungsservice Bamberg.

Der Weggang der Buchhändlerin und Filialleiterin Asli Heinzel allerdings, die ihre Mitarbeit bei der ebenfalls mit veranstaltenden Buchhandlung Osiander beendet hat, drohte das Festival ganz und gar platzen zu lassen. Sie war »Gesicht und Stimme des Literaturfestivals«, wie der Fränkische Tag es formulierte, und auch mit der Rundum-Betreuung der gastierenden Autor*innen betraut. Lange war unklar, wer ihre Rolle übernehmen könnte, bis schließlich Nevfel Cumart sich bereiterklärte einzuspringen.

Nevfel Cumart sitzt links, rechts sitzt Julian Nida-Ruemelin. Letzerer spricht in ein Mikrofon. Unscharf im Vordergrund sieht man Hinterköpfe der Zuhörer.
Nevfel Cumart und Julian Nida-Ruemelin beim diesjährigen BamLit. Photo: Helmut Ölschlegel

Am 20. Februar moderierte er einen Vortrag des Philosophen, früheren Münchner Kulturreferents und Kulturstaatsministers Julian Nida-Rümelin, der das Thema »Cancel Culture« beleuchtete; Cumart und er diskutierten darüber im Verlauf der Veranstaltung.

Außerdem hat Nevfel Cumart auch bereits die Lesungen von Ronja von Rönne (30.1.) und Ursula Poznanski (2.2.) moderiert, am 21. 1. mit der Autorin Tanja Kinkel, Rabbinerin Antje Yael Deusel, dem Autor und Literaturkritiker Rolf-Bernhard Essig und Musiker Franz Tröger (die gemeinsam das Duo Streifenhörnchen bilden) und der Historikerin und Schriftstellerin Karin Dengler-Schreiber über Jüdisches Bamberg – Stimmen aus den Jahrhunderten debattiert.

Und, last but not least, er ist als guter Geist der Veranstaltung für das Wohlbefinden der Eingeladenen zuständig.

Das BamLit läuft noch bis zum 4. Mai; mehr Information gibt es auf der Website der Veranstaltung.

 

Im Hinterland des Halbmondes
Gedichte eines Zweiheimischen

Buchcover von »Im Hinterland des Halbmondes«; auf einem ockerfarbenen Hintergrund befindet sich unter dem Titel das Gemälde einer Flusslandschaft, über der ein riesiger Sichelmond schwebt.

Vierzig Jahre ist es her, dass sein erster Gedichtband erschienen ist; vier Jahrzehnte, die der lyrischen Auseinandersetzung mit einer Vielzahl von Themen, vor allem Heimat und Fremde, Wurzeln und Entwurzelung, und der Vermittlung zwischen den Welten gewidmet waren. Aus diesem Anlass hat Nevfel Cumart jetzt seinen zwanzigsten Band veröffentlicht – eine Sammlung aus diesen vier Schaffensjahrzehnten.

Es ist bewusst kein ›Best-of‹, sondern ein Querschnitt, sagt Cumart im Gespräch mit dem »Stader Tageblatt« (PDF-Download). Und: Manche Gedichte würde ich heute nicht mehr so schreiben. Ebenso, wie wir alle uns im Laufe eines Lebens verändern, wandelt sich auch die Künstlerpersönlichkeit. Aber der Wandel ist eben auch Teil des Werks, das von all den Erfahrungen und Ereignissen geprägt ist, die dem Menschen hinter dem Dichter widerfahren – kleine wie große, vom Überleben einer Nordsee-Sturmflut und des großen thailändischen Tsunamis 2004 bis zum einfachen Spiel im Wasser, das er in einem seiner Gedichte beschreibt:

damals schwamm ich in der elbe
spielte am sandigen ufer mit stock und stein
barfuß ohne stunde ohne minute

Mit enthalten in dieser Sammlung, die auch einige ganz neue, bislang unveröffentlichte Gedichte umfasst, ist auch sein wohl bekanntestes, das mittlerweile in 29 deutschen, österreichischen und Schweizer Schulbüchern enthalten ist: »zwei welten«. Darin geht es, wie Nevfel Cumart im Interview mit der »Fränkischen Nacht« erzählt, um Einsamkeit, um die innere Zerrissenheit beim Aufwachsen zwischen zwei Welten und Kulturen, also auch um die persönliche Lebensgeschichte des Dichters, der schon als Jugendlicher begann, seiner Familie und Nachbarn als Vermittler und Übersetzer zu helfen.

Damals schon wurde das Fundament gesetzt für ein Leben nicht nur als Dichter, Schriftsteller, Referent, Übersetzer und Journalist, sondern auch als »Brückenbauer zwischen den Welten«. Der Dichter wurde zum Beispiel mit dem Kulturpreis Bayern, dem Pax-Bank-Preis oder auch der Poetik-Professur der Universität Innsbruck ausgezeichnet, der Bückenbauer bekam 2014 das Bundesverdienstkreuz wegen seiner Verdienste um die Verständigung zwischen unterschiedlichen Kulturen und Religionen verliehen.

In seinem – außerordentlich lesenswerten! – Nachwort nutzt der Literaturprofessor Stefan Neuhaus von der Uni Koblenz die Gelegenheit zunächst zu einer Kritik am aktuellen Literaturbetrieb, am starken Rückgang der Lesekompetenz junger Menschen und dem mit der übermäßigen Verkürzung einhergehenden Verfall der gesellschaftlichen Debattenkultur. Er scheibt zum Beispiel: Gute Literatur ist immer interkulturell und geht dann näher auf Nevfel Cumarts Lebenswerk ein: Seine Gedichte, so schreibt er, haben das Potential, die immer größer werdende Lücke zwischen Leser*innen und Nichtleser*innen wieder zu schließen, wenn sie die Chance dazu bekommen. Sie seien eingängig und dennoch komplex, einfach und reichhaltig, bodenständig und welthaltig, sie sind prädestiniert für Schullesebücher wie für das Lesen zuhause, mit oder ohne Vorwissen.

Und schließlich: Cumarts Lyrik ist, eher wie einige der publikumszugewandten Gedichte Goethes, mehr als europäisch, sie ist weltumspannend und sie möchte auch die Welt in dem Sinne umspannen, als dass sie die verschiedenen Kulturen und Religionen, vor allem die Traditionen des Islams und des Christentums, in ihrer gläubigen wie ihrer säkularisierten Form, miteinander in Beziehung setzt.

»Im Hinterland des Halbmondes« gibt einen vielschichtigen Überblick über dieses bewegte Künstlerleben und ist jetzt überall erhältlich, auch zum Beispiel bei Amazon. Hier gibt’s außerdem, jeweils als PDF-Download, einen ausführlichen Bericht inklusive Interview aus der »Fränkischen Nacht«, eine Rezension aus dem »Stader Tageblatt« und auch den Pressetext des Verlags zur Buchveröffentlichung.

 

Interview im Straßenkreuzer

Nevfel Cumart im »Straßenkreuzer«
Nevfel Cumart, Photo: Straßenkreuzer Nürnberg (privat)

Wer bei »Straßenkreuzer« an dicke Autos denkt, lebt nicht in Nürnberg – und kennt deswegen auch nicht das renommierte und hochwertige Obdachlosenmagazin der Stadt.

Schon seit Jahren schreibt Nevfel Cumart dafür Rezensionen: Das Magazin ist eine sehr wichtige Sache und sehr hochwertig. Wenn ich da ein bisschen was beisteuern kann, dann freut es mich, erzählt er im Interview, das in der aktuellen Ausgabe des »Straßenkreuzers« erschienen ist. Und er geht im Gespräch noch einmal genauer darauf ein, was ihn eigentlich zu seiner Berufung gebracht hat: (…) wo ich in einer Siedlung mit vier Wohnblöcken und 350 türkischen Familien aufgewachsen bin. Mein Vater war sehr angesehen dort. Alle, die Probleme hatten, kamen zu ihm. Da er kaum lesen und schreiben konnte und arbeiten musste, übernahm ich die Aufgabe, ihnen zu helfen. Ich begleitete die Landsleute zu Ärzten, Kliniken, Behörden, übersetzte, vermittelte und half. Mir ist nichts fremd, was Menschen ausländischer Herkunft an Problemen und Sorgen hier haben können. Ich bin ja durch meine Herkunft in die Rolle des Vermittlers zwischen den Kulturen oder Brückenbauers hineingeraten.

Wer gern mehr über den »Straßenkreuzer« erfahren möchte, klickt hier. Das gesamte Interview gibt es hier als Download.

 

Schreibwerkstatt »Heimat ist grenzenlos«

In der Grund- und Mittelschule Hirschaid werden Kinder aus zwanzig verschiedenen Nationen unterrichtet. Eine Gruppe 14- bis 16-Jähriger von ihnen nahm an einem interkulturellen Schreibprojekt teil, in dem sie unter der behutsamen Anleitung von Brückenbauer Nevfel Cumart ihre Gedanken zum Thema »Heimat« niederschrieben.

Bild: »Ich bin eine Hirschaiderin«, Joana Simpson, Klasse 8cM
»Ich bin eine Hirschaiderin«, Joana Simpson, Klasse 8cM

Parallel zur Schreibwerkstatt fand auch ein Kunstprojekt statt; daraus entstand eine Wanderausstellung, und Ende September 2021 wurde dann schließlich – einschließlich Lesung der jungen Autor*innen und moderiert von Nevfel Cumart – das dazugehörige Buch vorgestellt.

In dessen erstem Kapitel, überschrieben »Menschen in anderen Ländern«, versetzten sich in Deutschland aufgewachsene Kinder in die Lage von Gleichaltrigen in einem anderen Teil der Welt. Dabei gab es berührende Erkenntnisse: Nicht immer haben wir alle genug zu essen, erzählt zum Beispiel Sophie Salomon als Samira. Die Flut hat auch die Brunnen in unserem Dorf zerstört. Es gibt hier kein sauberes Trinkwasser mehr. Deswegen müssen welche aus meiner Familie früh und abends mehrere Kilometer laufen, um an eine saubere Wasserstelle zu kommen. Das Wasser dann in großen Krügen aus Ton heimzutragen, ist sehr anstrengend, gerade für mich.

Zum zweiten Teil, der die Überschrift »Weltweit« trägt, hat beispielsweise Leonie Stamminger ein Gedicht beigesteuert, das in neunzehn weitere Sprachen übersetzt wurde – von Albanisch und Arabisch über Tigrinya bis Xhosa:

In diesem Jahr sterben viele Menschen an Corona.
In diesem Jahr sterben hunderte von Kindern bei einer Fahrt übers Meer.
In diesem Jahr sterben tausende von Kindern an Unterernährung.
In diesem Jahr sterben tausende von Kindern an schweren Krankheiten.
In diesem Jahr sterben zehntausende von Kindern im Bombenhagel.
In diesem Jahr leben Kinder auf der Straße.
In diesem Jahr verlieren Kinder ihre Familien.
In diesem Jahr verlieren Mütter ihre Kinder.
Weltweit.

Bild: »Meine Heimat ist bunt und vielfältig«, Lorena Biro, Klasse 9bG
»Meine Heimat ist bunt und vielfältig«, Lorena Biro, Klasse 9bG

Auf knapp siebzig Seiten kommen die Kinder zu Wort. Wie zum Beispiel Judith Laus, die schreibt: Heimat ist für mich, mich nicht verstellen zu müssen, sondern so sein zu können, wie ich wirklich bin. Oder auch Leonie Lodes: In meiner Heimat fühle ich mich sicher und geborgen. Meine Heimat gibt mir den Halt, zu wissen, wo es langgeht. Zwischendurch eingestreut finden sich einige Gedichte von Nevfel Cumart.

Auch der Fränkische Tag berichtete und schrieb: Mit dem Schriftsteller Nevfel Cumart stand den Hirschaider Mittelschülern ein erstklassiger Mentor zur Seite. Ein Mann, der nach eigenen Worten nie in einem anderen Land gelebt hat als in Deutschland, wo ihn seine Landsleute aber noch immer als Fremden betrachten. Den ganzen Artikel gibt es hier als Download.

Das Buch ist für € 9,90 in der Schulverwaltung erhältlich.

 

Porträt in der »Frankenschau«

Nevfel Cumart in der »Frankenschau«

Der Bayrische Rundfunk hat kürzlich dem Bamberger Dichter Sendezeit seiner sonntäglichen Sendung gewidmet. Darin wird zum einen in aktuellen Aufnahmen und Interviews der Lehrer und Anleiter von Schreibwerkstätten gezeigt und der Brückenbauer zwischen türkischer und deutscher Kultur. Andererseits hat die Redaktion aber auch Archivmaterial ausgegraben und zeigt den Dichter Nevfel Cumart über die Jahre seiner Entwicklung – vom jungen Mann auf der Suche nach Heimat und Identität zum gestandenen und allseits geschätzten Verfasser von mittlerweile neunzehn Gedichtbänden.

Der Beitrag aus der »Frankenschau« schafft das nicht einfache Kunststück, die Vielfältigkeit des Cumart’schen Lebens herauszuarbeiten und seinen zahlreichen Facetten gebührend Raum zu geben. Noch bis zum 28. November 2022 steht der Beitrag abrufbereit in der ARD-Mediathek.

 

Fehlt Ihnen ein Cumart in Ihrer Sammlung?

Ein großer Verlust für die Literatur-, vor allem die Lyrikwelt: Bruno Kehrein, Inhaber von Nevfel Cumarts »Leib- und Magen-Verlag« Grupello, ist am 3. Mai 2019 verstorben. In der Folge wurde sein Verlag vom Droste Verlag, der zur Mittag Verlagsgesellschaft gehört, übernommen. Die neue Geschäftsführung begann zügig damit, das Verlagsprogramm umzugestalten – mit der Folge, dass nun die Titel von Nevfel Cumart nicht mehr verfügbar sind.

Derzeit arbeiten wir daran, die Bücher wieder zugänglich zu machen. Es wird aller Voraussicht nach mehrere Online-Shops geben, in denen dann alle Veröffentlichungen Nevfel Cumarts seit den frühen Neunzigerjahren wieder erhältlich sein werden. Sobald es konkretere Entwicklungen gibt, werden wir Sie hier informieren. Noch ein wenig Geduld, bitte!

 

Nevfel Cumart bei Deutschlandfunk Kultur

Gut eine halbe Stunde Gespräch zwischen Moderator Marco Schreyl und dem Dichter wurde heute von kurz nach neun bis um 10 in der Deutschlandfunk-Reihe »Im Gespräch« gesendet; die Aufzeichnung des spannenden, berührenden und interessanten Dialogs ist mit dem Titel »Der Gedichtefänger« auch auf der Website des Senders zu hören. Dabei kommen Details aus Cumarts Leben zur Sprache, die wohl nur wenige kennen:

Schon zweimal in seinem Leben ist Nevfel Cumart zum Beispiel entfesselten Wassermassen entkommen; einmal 1973, als die große Sturmflut seine Kindheitsheimat, die Halbinsel Krautsand bei Stade, zerstörte, und ein zweites Mal 2004 auf Sri Lanka, als der Weihnachts-Tsunami große Teile Südostasiens verwüstete. Ich hatte sehr viel Glück, erzählt er. Wir haben als Familie überlebt. Das haben viele nicht. Sri Lanka hat es sehr übel getroffen. Innerhalb von fünf Minuten sind 36.000 Menschen gestorben. Das war eine sehr große Katastrophe.

Was sicherlich auch viele nicht wissen, ist, dass Nevfel Cumart schon sehr früh nicht nur in zwei Kulturen – der deutschen und der türkischen – aufwuchs. Mit 14 Jahren nämlich lernte er ein deutsches Ehepaar kennen, das er seitdem seine »deutschen Eltern« nennt, und von da an teilte er sein Leben als Jugendlicher auch zwischen zwei Familien auf. Der streng traditionellen: Ich habe meinen Vater Zeit seines Lebens gesiezt. Und früher haben wir auch immer die Hand der Eltern geküsst und an die Stirn geführt. Und der fördernden: Meine deutschen Eltern haben mir so viel geholfen, ohne die säße ich wahrscheinlich heute nicht hier.

Wer mehr über das Leben des Dichters, seine Arbeit und auch seine Schwierigkeiten im Umgang mit der Corona-Krise (es fehlt eine sinnstiftende Betätigung) hören möchte, mag das auf der Artikelseite bei Deutschlandfunk Kultur tun.

 

»Am Ende des Regenbogens« – Gedichte

Buchcover: »Am Ende des Regenbogens«

Vierhundertachtzig mal vier Zeilen, versammelt in einem Band – allein die schiere Zahl ist außergewöhnlich. Und anders als in vielen anderen, thematisch eng gefassten Gedichtbänden reicht auch das Spektrum der Themen im neuen, inzwischen bereits neunzehnten Gedichtband Nevfel Cumarts außergewöhnlich weit, einmal um das menschliche Dasein herum, durch es hindurch und alle seine Ecken und Winkel ausleuchtend.

Der Verlag schreibt: Die imposante Sammlung umfasst insgesamt 480 Gedichte aus den vergangenen Schaffensjahren, die allesamt konsequent als Vierzeiler konzipiert sind. Es sind kurze konkrete Momentaufnahmen, aphorismenähnliche, lakonische Impressionen, gesellschaftlich-politische Anmerkungen, erotische Liebesgedichte ebenso wie mystisch gefärbte Erkenntnisse, philosophische Gedanken sowie lyrische Bilder, die weit über die herkömmliche Betrachtung eines Menschen hinausreichen.

Nevfel Cumart selbst beschreibt es in einem Interview mit der »Fränkischen Nacht« (hier als PDF-Download) so: In meinen Vierzeilern ist vieles enthalten: Mystisches, Erotisches, Esoterisches, Liebeslyrik. Und natürlich auch aktuelle Bezüge und Beobachtungen, etwa zur Situation der Flüchtlinge. Dann erzählt er von seiner Arbeit an den Gedichten: Ich bringe in meinen Schreibwerkstätten und Lehraufträgen seit 30 Jahren den Menschen professionell bei, wie sie Texte verfassen können. Ich kenne zig Methoden und Schreibspiele. Aber in meiner Lyrik mache ich das bewusst nicht. Ich warte vielmehr darauf, dass die Gedichte mich finden und ich nicht die Gedichte finde. Das ist etwas altmodisch, ich weiß … Aber meist muss er nicht lange warten: Ich bin ein Gedichtefänger. Vor Inspirationen bin ich nirgendwo sicher, wenn ich empfänglich bin. Die Gedichte schwirren herum, ich muss sie nur ergreifen.

Nicht zuletzt dank dieser Offenheit, im besten Sinne Un-Kontrolliertheit bildet das lyrische Werk dann in einem Überblick wie dieser Sammlung eine solche Vielfalt an Themen, Einsichten und Motiven ab. Noch einmal der Verlag: Somit gleicht die Sammlung in »Am Ende des Regenbogens« einer lyrischen Vermessung des Lebens, der Welt und schließt auch das Universum mit ein.

Das Buch ist jetzt online beim Verlag erhältlich.

 

Innsbrucker Doktorand schreibt Dissertation über Nevfel Cumart

An die zwei Jahre seines Lebens hat er fast auschließlich auf diese Arbeit verwendet; kürzlich war es nun endlich so weit, dass Bernd Juen seine Dissertation im Rahmen seines Literatur- und Kulturwissenschaftsstudiums an der Leopold-Franzens-Universität zu Innsbruck einreichen konnte. Ihr Thema: »Das Motiv des Zwischen-den-Welten-seins in den Gedichten Nevfel Cumarts«.

Allein der reine Text, ohne das (umfangreiche) Inhaltsverzeichnis, Quellenangaben und Danksagungen, erstreckt sich schon über 375 Seiten und reicht von grundsätzlichen Erläuterungen zu Inter- und Transkulturalität, Interkultureller Literaturwissenschaft und Migrationsliteratur über die Bereiche »Der Dichter Cumart« und »Der Mensch Cumart« bis zu einzelnen Gedichten, die er einer sorgfältigen Analyse unterzieht.

Juen hat einige Jahre in den Bereichen Migration, Flucht und Integration gearbeitet, sei es als Deutsch-Trainer, als Integrationsbeauftragter oder auch als Betreuer für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Sein Interesse am Thema »Zwischen den Welten« ist insofern nicht nur akademisch, sondern auch praktisch verankert. Besonders an seiner Dissertation ist auch, dass der Doktorand während seiner Arbeit immer wieder in engem Kontakt mit Cumart stand, sowohl per Telephon und E-Mail, als auch im Sommer 2018 persönlich für ein langes und ausführliches Interview. Kennengelernt hatte er den Dichter während dessen Poetik-Professur 2012 an der Innsbrucker Uni.

Er kommt zu dem Schluss, Cumart erweise sich als derart facettenreich, dass man ihn nicht einfach einer literarischen Strömung zuordnen kann. Gleichzeitig verdeutlicht auch dieser Befund, wie es Cumart literarisch und menschlich gelungen ist, seiner einstigen Gespaltenheit Herr zu werden, nämlich dadurch, dass er auch formal betrachtet Hybridität hochleben lässt und Gedichte schreibt, die in Treppenversform nach Hikmet eine konkrete Lebenssituation wie bei Erich Fried zum Ausdruck bringen, das Deutsche und das Türkische, Orient und Okzident (im Goethe’schen Sinne) sich vermischen.

Inzwischen stehen auch einige Informationen zur Doktorarbeit auf der Website der Leopold-Franzens-Universität.

 

Cumart macht Lust aufs Schreiben

Er zähle nicht nur zu den produktivsten Lyrikern seiner Generation, sondern sei auch ein hervorragender Motivator, schreiben die Cuxhavener Nachrichten nach einer Schreibwerkstatt, die der Dichter Mitte Mai an den Berufsbildenden Schulen Cuxhaven (BBS) veranstaltete. Der Schüler João wird zitiert mit dem Satz: Er ist nicht wie ein Lehrer, sondern wie ein Freund. Erik meint: Es ist mal ganz was anderes. Man schreibt für sich selbst, ohne Noten. Und Kathy freut sich: Es macht wirklich viel Spaß.

Zwei Tage lang begleitete Nevfel Cumart die Jugendlichen – eine ganz gemischte Gruppe, von denen auch viele nicht immer in Deutschland gelebt haben, wie die Zeitung schreibt –, motivierte, gab Impulse und Stichworte, suchte (und fand) das Gespräch mit den Schülern und ermöglichte denen, die es wollten, ihre Texte vorzulesen. Die vielfältigen und kreativen Ergebnisse der Werkstatt wurden anschließend ausgestellt, denn auch Rückmeldung und Wertschätzung sind laut Cumart wichtige Bestandteile seiner Schreibwerkstätten.

Auf der Website der BBS Cuxhaven findet sich der Zeitungsbeitrag in ganzer Länge, der auch hier als PDF heruntergeladen werden kann.

 

Cumart meets Winnetou

Ist das Phänomen Karl May überhaupt zu erklären? Was unterscheidet den bisher weltweit auflagenstärksten deutschen Autor von seinen Kollegen und Kolleginnen von gestern und heute? Das fragten sich die Organisatoren des Bamberger Literaturfestivals (#BAMLIT19) Anfang dieses Jahres und luden die Autorin Tanja Kinkel, ihre Kollegen Paul Maar und Nevfel Cumart zusammen mit einigen weiteren Gästen zu Lesung und Gespräch. »Ein Abend für neugierige Greenhorns und May-Kenner« nannten sie die Veranstaltung über den Mann aus dem sächsischen Radebeul, der 1912 siebzigjährig starb und dessen Verlag in Bamberg ansässig war. Anschließend berichtete das Online-Magazin inFranken.de über den Abend:

Karl May (Photo: Erwin Raupp, public domain)
Karl May (Photo: Erwin Raupp, public domain)

[Karl May] ist mehr als ein viel gelesener Autor von Abenteuererzählungen mit den auch durch Verfilmungen populär gewordenen Figuren Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi, Winnetou und vielen anderen. Er ist, so man sich als Erwachsener mit dem Jugendschriftsteller beschäftigt, der er auch, aber keineswegs nur war, eines der interessantesten Phänomene nicht nur der deutschen Literatur. Interessant unter literatursoziologischen, -psychologischen und auch -ökonomischen Aspekten.

So wies Nevfel Cumart auf die Selbstvermarktungsstrategien des freien Schriftstellers hin, der der Karl-May-Philologie ein weites Feld hinterlassen hat. (…) Rolf-Bernhard Essig, Mitverfasser eines ›Karl-May-Abcs‹, wies dann zu Recht auf die bitterarmen Verhältnisse, denen May entstammte, als einen entscheidenden Schlüssel zum Verständnis von Person und Werk – immerhin verbrachte der Webersohn siebeneinhalb Jahre in Haft wegen ›Köpenickiaden‹, so [Tanja] Kinkel.

Das Fazit des Magazins lautet schließlich: Ein amüsanter Abend. Der gesamte Bericht lässt sich auf der Magazin-Website nachlesen, und auch die Ankündigung der Veranstaltung ist nach wie vor auf der BAMLIT-Website online.

 

»Auf der Suche nach Heimat«

Buchcover: »Auf der Suche nach Heimat«

Mit Schülerinnen und Schülern aus den fünften bis siebten Klassen der Mittelschulen Stegaurach und Frensdorf, beide im Landkreis Bamberg gelegen, gestaltete Nevfel Cumart eine Reihe von Schreibwerkstätten. Zu zwölf Terminen trafen sich der Profi- und die Nachwuchsschreiber meist in der Gemeindebücherei Stegaurach; die Büchereileiterin Cornelia Kempgen schrieb in ihrem Bericht zu der Veranstaltung: Treibende Kraft der Autorenbegegnung war Nevfel Cumart, Autor und Schirmherr der Bamberger Literaturtage. Unter seiner behutsamen Führung verfassten die Schüler sehr berührende Texte vor allem zu den Themen Heimat, Flucht, Vertreibung und Krieg. Manche Einsichten konnten durchaus ein Schmunzeln hervorrufen; bei der Definition von Heimat schrieb jemand: Wo ich WLAN habe, sonst geht nichts.

Photo: Die Musiker Dominik Scheer und Cornelius Kuppert, der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Bödecker-Kreise, Dr. Karsten Steinmetz, und Nevfel Cumart mit seinen Schützlingen. (Photo: Bücherei Stegaurach)
Die Musiker Dominik Scheer und Cornelius Kuppert, der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Bödecker-Kreise, Dr. Karsten Steinmetz, und Nevfel Cumart mit seinen Schützlingen. (Photo: Bücherei Stegaurach)

Gefördert vom Bundesverband der Friedrich-Bödecker-Kreise e. V., waren die Schreibwerkstätten Teil des Projekts »Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung II« des Bundesministeriums für Bildung und Forschung; am 17.12. wurde dann ein Buch vorgestellt, das ausgewählte Texte der Jungautoren enthält. »Auf der Suche nach Heimat« heißt es, und einige der Schüler und Schülerinnen lasen bei der Veranstaltung ihre eigenen Texte.

Musikalisch unterstützt vom Jugendbeauftragten Dominik Scheer aus dem Kinderhaus Stegaurach und dem Schüler Cornelius Kuppert, fand die Präsentation, wie die Bücherei auf ihrer Website schreibt, höchste Anerkennung und Begeisterung nicht nur bei den anwesenden Mitschülern und Eltern, sondern auch beim eigens aus Magdeburg angereisten Geschäftsführer des Bundesverbandes der Bödecker-Kreise, Dr. Karsten Steinmetz und der Projektleiterin der bundesweit geschlossenen ›Bündnisse für Bildung‹, Lisa Reul. Auch der Zweite Stegauracher Bürgermeister, Bernd Fricke, und die leitende Dipl-Bibliothekarin der Sankt Michaelsbundbüchereien des Erzbistums Bamberg, Melanie Dirauf, waren in höchstem Maße angetan von der Kreativität der Schüler.

Das Buch kann online beim Verlag bestellt werden.

 

»Seine Gedichte sind Brücken«

Nevfel Cumart, © Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg
Nevfel Cumart, © Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg

Bald ein Vierteljahrhundert, seit 1996, kennen sich Nevfel Cumart und Rainer Herzing; der heutige Oberstudiendirektor war damals noch Lehrer am Clavius-Gymnasium Bamberg und lud den Dichter zu einer Lesung ein, die seinerzeit nicht in den Räumen der Schule, sondern im Konferenzsaal der ortsansässigen Sparkasse stattfand.

Seither stehen die beiden im Kontakt, und im Dezember veranstaltete Herzing – in seiner heutigen Funktion als Schulleiter des Bamberger Franz-Ludwig-Gymnasiums (FLG) – einen Lesungsvormittag mit Cumart. Gleich dreimal las der aus seinem Werk, beantwortete Fragen der Jugendlichen und diskutierte mit ihnen.

Als »Gedichte- und Schülerfänger« bezeichnet der Rückblick des FLG auf die Veranstaltung den Autoren und hebt hervor: Das war keine steife Dichterlesung. Das war eine lebendige Begegnung ohne Fremdeln, bei der viel gelacht, gefragt und erfahren wurde.

Weiter heißt es: Nevfel Cumart geht einem nahe, geht unter die Haut, geht direkt auf seine Zuhörer zu und weiß unsere Schüler aus den Jahrgängen 9 bis 12 zu begeistern. Und er antwortet ohne Scheu und Scheuklappen, authentisch, sehr humorvoll und nachdenklich stimmend.

Der vollständige Nachbericht ist auf der Website des FLG online.

 

Nevfel Cumart im hohen Norden

Nevfel Cumarts Residenz in Haiharan
Nevfel Cumarts Residenz in Haiharan

Fast einen Monat lang, beinahe den gesamten Oktober, weilte der Dichter auf Einladung des Goethe-Instituts in Finnland. Am Rand der südfinnischen Metropole Tampere lebte er in einem Holzhaus, das man durchaus »romantisch« nennen mag – kam aber selten dazu, die naturnahe Idylle wirklich zu genießen, denn als Stadtschreiber und Residenzautor war er ausgesprochen aktiv; zudem fand Cumart auch noch die Zeit, ein eigenes Blog über den Aufenthalt zu schreiben.

Diverse Lesungen gehörten zum Programm, am Goethe-Institut Helsinki ebenso wie an einem Gymnasium in Tampere und im Buchmuseum in Sastamala. An der Uni Helsinki las er ebenfalls und organisierte eine Schreibwerkstatt, an der Uni Tampere hielt er einen Vortrag über die türkische Migration nach Deutschland, und im Anschluss an seine Lesung auf der Buchmesse Helsinki stand Nevfel Cumart in einem Live-Interview Rede und Antwort.

Finnland-Besucher Nevfel Cumart liest
Finnland-Besucher Nevfel Cumart liest

Nina Dannert vom Deutschen Kulturzentrum Tampere nahm während der Zeit den Dichter unter ihre Fittiche, und ihr war es auch zu verdanken, dass noch ein zusätzlicher »Abstecher« ins estnische Tallinn mit im Programm untergebracht wurde. Nevfel Cumart widmete der Reise einen Blog-Beitrag: Nina, die Leiterin des Deutschen Kulturzentrums in Tampere, hatte vorgeschlagen, am Samstag mit ihr und ihren Töchtern einen Ausflug von Helsinki nach Tallinn zu machen. Ich war noch nie in Estland und mag es zudem, auf dem Meer zu sein. Also fuhren wir mit der Fähre ›Star‹, die eher einem kleinen Kreuzfahrtschiff ähnelte, nach Tallinn. (…) Wir ließen uns vom Regen nicht abschrecken, erkundeten die vielen Gassen in der Altstadt, machten einige Fotos (ich unprofessionell mit dem Handy, Nina sehr professionell mit einer gescheiten Kamera!), besuchten ein kleines Museum und kehrten später in einer kleinen Pizzeria ein, damit die Kinder sich den Magen füllen konnten.

Auf seinen Fahrten von der hölzernen »Dichterklause« im Vorort Haiharan zum Zentrum Tamperes entdeckte Cumart dann eine Parallele zwischen finnischer und türkischer Lebensart: So wie in der Türkei die Menschen am Straßenrand den Arm ausstrecken, damit der Dolmusch (eine Art Sammeltaxi) hält und sie mitnimmt, so machen das die Finnen hier in Tampere auch! Allerdings nicht am Straßenrand, sondern an einer echten Bushaltestelle! Manche machen das sogar ganz cool. Viele haben schon ihre Buskarte in der Hand, wenn sie ihren Arm ausstrecken. Bei manchen zeigt die Handinnenfläche nach links Richtung Bus und der Daumen ist leicht angehoben. Das sieht das fast so aus, als ob sie per Anhalter fahren wollten.

Auf der Website des Goethe-Instituts Finnland stehen einige allgemeinere Informationen über Nevfel Cumart und seiner Reise.

Hier sind außerdem alle Beiträge des Finnland-Blogs noch einmal versammelt:


Mit meinem Vater in Tampere

„Nun bin ich in Tampere angekommen.“

Mein erster Satz in Finnland. Mein erster Satz als Residenzautor. Mein erster Satz als – Waise!

Vor einigen Tagen noch war ich in Adana. Im Süden der Türkei. In einer engen Seitenstraße am Rande der Stadt. Hier steht das kleine Haus meines Vaters. Hier begann seine Reise vor 57 Jahren, als er auf den Spuren des Brotes in die Fremde ging – nach Almanya. Nach Deutschland.

Deutschland – für mich die Heimat. Für meinen Vater immer Arbeitsland, meist Sehnsuchtsland, oft Bitterland, manchmal Hoffnungsland, kaum Glücksland, ewig lange Fremdesland. Als er dorthin aufbrach damals, konnte er nicht ahnen, daß er nicht wieder zurückkehren würde. Bis zu seinem Tod.

In Deutschland lernte er die Farben der Fremde kennen, sah er zum ersten Mal Schnee und Eis. Dort kamen drei seiner Kinder auf die Welt. Dort schweißte er fleißig Rohre bei Tag und bei Nacht. Dort verlor er einen seiner Söhne und seine Ehefrau an den Tod. Dort erhielt er seine kärgliche Invalidenrente. Sein Grab aber sollte in der Türkei sein. In der Heimaterde. Das war sein Wunsch. Also endet die Reise für ihn in dieser engen Seitenstraße, wo sie alle Abschied nehmen von ihm.

Sieben Tage und sieben Nächte Trauerfeiern. Allein am siebten Tag haben wir nach der Koranrezitation 600 Essenspakete verteilt. Alles spielte sich draußen in der stickigen Gasse ab. 37 Grad Hitze. Kaum Schatten. Ständig Trauergäste. Unzählige Menschen von früh bis spät. Viele bleiben stundenlang, manche den ganzen Tag. Cousins und Cousinen von mir, die jeden Tag kommen und bleiben. Zahllose andere Verwandte, die ich gar nicht kenne. Menschen aus der Nachbarschaft, aus der Umgegend Und jeder fragt nach mir. Als ältester Sohn hast Du ständig präsent zu sein, mußt Du die Familie zu vertreten. Jeder will Dir die Hand drücken, jeder will seine Anteilnahme ausdrücken. Keinen Augenblick bist Du allein. Keine Zeit, kein Raum zum Trauern. Und an Schlaf ist auch nicht zu denken. Wegen der Hitze, wegen des Lärms, wegen der Gedanken, wegen der Trauer.

Das war meine erste Beerdigung in der Türkei. Nach islamischem Ritus muß die Beerdigung innerhalb von 24 Stunden erfolgen. Also umgehend! Vor 15 Jahren konnte ich nicht rechtzeitig zur Beerdigung meiner Mutter anreisen. Das werfen mir die Verwandten heute noch vor. Auch auf der Beerdigung meines Vaters. „Als Deine Mutter starb…wo warst Du damals?“ Dieser Vorwurf wird mich wohl noch bis an mein Lebensende verfolgen…

Nun bin ich also in Tampere angekommen. In diesem kleinen Holzhaus am Rande des Waldes. Angekommen in der Stille, in der Abgeschiedenheit. Angekommen ohne meinen Vater. Dafür mit viel Trauer im Herzen. Ob mich hier Inspirationen und Verse finden werden, ist ungewiß. So ist es bei einem Dichter. Gewiß aber werden mich die angestauten Tränen finden. So ist es bei einem Sohn!

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Ausflug nach Tallinn

Als ich vor zwei Jahren nach Helsinki eingeladen wurde, erreichten mich schon drei Wochen vor meiner Abreise aus Bamberg zwei Wünsche für feste Verabredungen: Einige Studentinnen und Studenten der Germanistik an der Universität Helsinki wollten unbedingt einen Abend alleine mit mir verbringen. Und Mikko, der damalige Leiter des Goethe-Instituts, wollte unbedingt mit mir in eine finnische Sauna!

Die Studentinnen und Studenten führten mich aus in eine Kneipe, in der sie häufiger verkehrten. Es wurde ein anregender Abend mit vielen Gesprächen und ebensoviel (oder vielleicht auch mehr) Bier. Und zu guter Letzt mußte ich unter den Augen der jungen Leute ein Getränk zu mir nehmen, um gänzlich in Finnland anzukommen: Lakritzschnaps. (Leider weiß ich nicht mehr, wie dieser sehr gewöhnungsbedürftige Schnaps heißt!).

Zwei Tage später holte mich Mikko an der Universität ab und führte mich in eine sehr berühmte Männer-Sauna aus. Ich glaube, es war die älteste Sauna in Helsinki und lag an einem See. (Leider kann ich mich auch nicht an diesen Namen erinnern!) Draußen war es frostig kalt, es stürmte und regnete. Drinnen stürzte ich mich in das Geschehen und absolvierte alle Saunagänge und stieg zwischendurch auch in das eiskalte Wasser des Sees. Mit dem Ergebnis, daß ich später am Tag bei der Podiumsdiskussion an der Universität weitaus „entspannter“ gewesen bin als es mir lieb gewesen wäre…

Und auch dieses Mal gab es eine feste Verabredung, bevor ich nach Finnland aufbrach, um meine Zeit als Residenzautor anzutreten. Nina, die Leiterin des Deutschen Kulturzentrums in Tampere, hatte vorgeschlagen, am Samstag mit ihr und ihren Töchtern einen Ausflug von Helsinki nach Tallinn zu machen. Ich war noch nie in Estland und mag es zudem, auf dem Meer zu sein. Also fuhren wir mit der Fähre „Star“, die eher einem kleinen Kreuzfahrtschiff ähnelte, nach Tallinn. Gemeinsam mit einigen hundert anderen Menschen.

In Tallinn erwartete uns leider Regen und eine recht leere hübsche Altstadt, die mit etwas Sonne sicher viel einladender gewirkt hätte. Wir ließen uns vom Regen nicht abschrecken, erkundeten die vielen Gassen in der Altstadt, machten einige Fotos (ich unprofessionell mit dem Handy, Nina sehr professionell mit einer gescheiten Kamera!), besuchten ein kleines Museum und kehrten später in einer kleinen Pizzeria ein, damit die Kinder sich den Magen füllen konnten.

Am Abend ging es dann wieder zurück nach Helsinki. Unsere Fähre hatte sich gesteigert und hieß nun „Megastar“. Mehr Platz, mehr Restaurants, mehr Bars und mehr Menschen als auf der Hinfahrt. Und mehr Alkohol! Ich habe selten in meinem Leben so viele Männer und Frauen an Tischen sitzen und Alkohol trinken sehen wie auf der „Megastar“! Und ebenso selten habe ich gesehen, daß so viele Männer (und auch Frauen) Alkohol kaufen. Palettenweise Bierdosen. Kartons voll mit Vodka- und Whiskyflaschen und anderem Alkoholika. Einige transportieren ihre Einkäufe mit eigenen Sackkarren direkt zum Auto auf dem unteren Deck. (Andere verließen später vollbeladen mit ihren vollen Taschen und Einkaufswagen und auch Sackkarren das Schiff. Einige torkelten dabei….)

Alle halbe Stunde wurde über Lautsprecher der Duty-free-Verkauf mit vielen tollen Sonderaktionen angepriesen und jedes Mal hervorgehoben, daß fast der gesamte Deck 8 aus Duty-free-Shops bestehe. Als die letzte Ansage vor der Ankunft in Helsinki kam, überkam mich dann doch eine Neugier. Ich überlegte, vielleicht eine Flasche Whisky zu kaufen. Vielleicht für mich, für die Abend in meiner Dichterklause in Tampere. Oder als Geschenk für einen Freund. Also ab in den Duty-free. Mit Preisen für Schokolade, Parfüms und Kosmetika kenne ich mich gar nicht aus. Aber die Preise für einige Whiskymarken kenne ich ganz gut. Immerhin ist mein Freund Wolf ein echter Whisky-Experte mit einer riesigen Sammlung von diesem „Lebenswasser“. Und ich bin immer ein guter Zuhörer, wenn er von Whiskys und deren Geschmack und Preisen erzählt.

In der Duty-free-Arena auf der „Megastar“ war der gute alte irische „Jameson“, den man jeden Tag trinken kann, im Sale! 20 Prozent Rabatt! Und kostete doppelt so viel wie in Deutschland! Für die Finnen aber nur halb so viel wie in Helsinki, wie ich noch an Bord erfahren habe. Ich bin nicht sehr gut in Mathematik. Aber wenn ich mich nicht irre, kostet diese Flasche Whisky dann in Helsinki vier mal so viel wie in Deutschland! Kein schlechter Grund für einen Dicher, vier Wochen lang keinen Whisky zu trinken…

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Mit meinem Onkel in Sastamala
Nevfel Cumart im Buchmuseum Sastamala
Nevfel Cumart im Buchmuseum Sastamala

„Ist denn heute Abend Fußball im Fernsehen? Vielleicht Champions League?“

Das war meine erste Frage an das Publikum, noch bevor ich mich vorstellte. Nachdem Nina zur Sicherheit meine beiden Sätze ins Finnische übersetzt hatte, lachten die Damen. Und weil nur Damen zur Lesung gekommen waren, lachte also das gesamte Publikum!

Wir befanden uns im Cafe des Buchmuseums „Pukstaavi“ in Sastamala und das war der Auftakt für eine wunderbar entspannte Lesung in einer sehr gemütlichen Atmosphäre. Ich trug meine Gedichte auf Deutsch und auf Englisch vor. Nina übersetzte meine spontanene Erzählungen und Übergänge zwischen den Gedichten, die Fragen der Damen und auch meine Antworten. (Und ich achtete sorgsam darauf, nur kurze Sätze zu verwenden, um ihr das Leben als Übersetzerin nicht schwer zu machen….)

Vor der Lesung hatte mich Pama Alavilo, die Leiterin des Museums, durch die sehr liebevoll dekorierte und klug aufgebaute Ausstellung im Obergeschoß geführt. Und wahrscheinlich hat sie sich dabei gewundert, daß ich so lange bei den längst vergessenen Setzkästen stehenbleiben wollte. Denn was sie nicht ahnen konnte: Ich kannte solche Setzkästen, in denen in der Handsetzerei die Lettern eines Schriftschnitts in einer Schriftgröße aufbewahrt wurden, sehr gut aus eigener Anschauung. In der Druckerei meines Onkels Vehbi habe ich oft zugeschaut, wie auf alten und laut ächzenden Heidelberg-Druckmaschinen einzelne Seiten oder Visitenkarten gedruckt wurden. Und vorher wurden im Handsatz die Buchstaben einzeln und manuell gesetzt. Das war zu einer Zeit, als das Wort „Digitaldruck“ noch gar nicht existierte!

Nach der Lesung kehrten wir bei Nina daheim ein. Ihr gelang es auf wunderbare Weise, in kurzer Zeit sehr schmackhafte Spaghettis mit Avocado und Käse auf den Tisch zu bringen und mich zudem mit kaltem Bier zu versorgen. Mir gelang es leider nicht, ihren Kamin im Eßzimmer anzuschüren! Nach vier oder fünf Versuchen gab ich es auf…

Später am Abend, als ich in meinem Zimmer in der Pension (oder war es vielleicht doch ein Hotel? Sicher ist nur, dass ich der einzige Gast war…) spürte ich die Auswirkungen des starken Biers. Und als ich im Bett lag, spürte ich auch die Nachwirkungen der Führung durch das Museum: So viele Erinnerungen kamen in mir hoch an die Druckerei meines Onkels Vehbi. In den Sommerferien, die ich als Jugendlicher immer mit meiner Familie in Adana verbrachte, war die alte, stickige und kleine Druckerei mein zweites Zuhause. Besonders in den Jahren vor und nach dem Militärputsch 1980, als sehr viel Unruhe herrschte und vom Militär oft Ausgangssperren verhängt wurden, verbrachte ich viele Tage von morgens bis abends in der Druckerei meines Onkels.

Diese Druckerei stand schon ewig. Ein blutiger Weltkrieg, drei Militärputsche, eine schmutzige Scheidung, vier infame Söhne, zwei verheerende Erdbeben – sie alle konnten die Druckerei nicht vernichten! Hier arbeitete ich mit, falzte Kartons, schnitt Papier, sortierte Blätter und bekam sogar „Lohn“. Hier lernte ich die Stunden zählen und gewann die Achtung vor dem Papier! (Seit dieser Zeit habe ich nie in meinem Leben Papier verschwendet!) Und abends aß ich mit meinem Onkel die leckeren Vorspeisen seiner Frau und trank mit ihm Anisschnaps. (Und ich muß gestehen, daß mir Raki besser schmeckt als der finnische Lakritzschnaps).

Mein Onkel Vehbi trank jeden Abend. Soweit ich weiß wirklich jeden Abend! Vermutlich lag es an diesem massiven Alkoholkonsum, daß er eines Tages an Leberzirrhose starb und die Druckerei zurückließ. Und er hinterließ ein handgebundenes Buch, darin die Geschichte seines Lebens, geschrieben mit schwieliger Hand und in solch ein schöner Schrift, die jeden Kalligraphen zwischen Istanbul und Abu Dhabi beschämen würde!

Hier ein Gedicht, das an die Druckerei meines Onkels Vehbi erinnert und daran, wie kostbar Papier für manche Menschen sein kann:

  • achtung
  • in der druckerei
    meines onkels
    wurde nicht
    ein fingerbreit
    papier verschwendet
  • weil es teuer ist
    sagte der teejunge
  • weil es aus holz ist
    sagte der lehrling
  • weil es uns brot gibt
    sagte der geselle
  • weil es unsere seele ist
    sagte mein onkel

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Das Schweigen der Finnen

„Bei euch möchte ich auch gerne Lehrer sein!“

Diesen Satz sprach ich von ganzen Herzen aus und blicke die Jugendlichen im Publikum an. Es war meine zweite Lesung am Klassischen Gymnasium in Tampere. Bei der ersten Lesung vorgestern waren es über vierzig Schülerinnen und Schüler gewesen. Bei dieser Lesung sind es einige weniger. Sie sitzen da vor mir in vier halbgeschwungenen Stuhlreihen. Ganz brav. Ganz ruhig. Ganz still. Lammfromm. (Denkt jetzt jemand zufällig bei dem Titel dieses Beitrags an den Thriller „Das Schweigen der Lämmer“?).

Ich würde mir zwar etwas mehr Lebendigkeit und Beteiligung wünschen (die dann zaghaft in der zweiten Hälfte der Lesung kamen), genieße aber einstweilen die Ruhe im Saal. Genieße es, nicht so laut reden zu müssen. Es genügt, die Gedichte und meine Erzählungen zwischendurch in normaler Zimmerlautstärke vorzutragen bzw. zu sprechen. Und ich genieße es, entspannt am Tisch sitzenbleiben zu können. Die einzige größere Anstrengung ist, meine Sätze und Erzählungen blitzschnell im Kopf auf ein einfacheres Sprachlevel runterzubrechen. Denn von Laura, der Deutschlehrerin, habe ich zuvor erfahren, dass diese Jugendlichen noch keine Fortgeschrittenen sind. Das ist aber auch das einzig anstrengende bei dieser sehr entspannten Lesung.

Wenn ich da an so mache andere Veranstaltung an Schulen in Deutschland denke… Wenn ich an sogenannten Schulen in sozialen Brennpunkten lese, dann habe ich manchmal das Gefühl, daß ein Großteil meiner Energie dafür draufgeht, für Ruhe zu sorgen und die Jugendlichen bei der Stange zu halten. Manchmal komme ich mir vor wie ein Dompteur, der eine Gruppe von kleinen (manchmal auch großen) Löwen und Tigern bändigen muß. Und da ich sehr häufig an solche Schulen eingeladen werde, freue ich mich besonders, wenn ich zwischendurch mal an einem katholischen Mädchengymnasium lese, wo es in der Regel sehr ruhig und gesittet zugeht. Oder aber am Klassischen Gymnasium in Tampere.

Ich weiß, daß ein Teil der Ruhe im Publikum daher rührt, daß die Jugendlichen nicht so gut Deutsch sprechen können. Doch ich weiß auch, daß wenn sie sehr gut Deutsch könnten, die Lesung dennoch weitaus ruhiger verlaufen würde als an den meisten deutschen Schulen. Denn die Finnen sind ja (Achtung! Jetzt kommt ein Stereotyp!) generell ruhige Menschen, die auch gerne mal schweigen.

Apropos Stereotypen: Ich arbeite gelegentlich mit Stereotypen, so viele andere Lehrende auch. Wenn ich in meinen Lehrveranstaltungen zur Interkulturellen Kommunikationen meinen Studentinnen und Studenten nach intensiven Arbeitseinheiten etwas Entspannung (und einige Lacher) gönnen möchte, erzähle ich zwischendurch etwas über unterschiedliche Kulturkategorien, Wahrnehmungen und Vorstellungen. Etwa in den kulturellen Bereichen der Raumorientierung, also das Verhalten in Bezug auf Nähe und Distanz, oder aber der Zeitorientierung.

So unterschieldich kann die Einstellung zur Zeit sein: Vor vielen Jahren studierte ich in Kairo und lebte mit dem jemenitischen Doktoranten Abbas unter einem Dach. Er verabredete sich einmal mit mir mit dem folgenden Satz: „Mein lieber Bruder Naufal, lass uns morgen um 10 Uhr am Midan Tahrir treffen und einen Kaffe trinken. Wenn ich bis um 11 Uhr nicht da bin, dann warte bitte bis um 12 und gehe um 13 Uhr…“
Oder ich erzähle über interkulturelle Mißverständnisse, die durch non-verbales Verhalten hervorgerufen werden können und gebe einige Beispiele. Das Kopfnicken der Chinesen bei Verhandlungsgesprächen und Präsentationen ist solch ein Beispiel. (Das keineswegs eine Zustimmung signalisiert, sondern nur ein Zuhören bekundet). Das Lächeln der Japaner, wenn der Gesprächspartner von einem Trauerfall in der Familie spricht. (Das keineswegs eine Pietätslosigkeit darstellt…). Oder eben auch das Schweigen der Finnen, das keineswegs ein Desinteresse bekundet. (Aber einen spanischen oder kolumbianischen Gesprächspartner sicher in den Wahnsinn treiben könnte)

Wenn ich tief in mich hinein horche, dann muß ich zugeben, dass ich auch gerne schweige zwischendurch. Da bin ich wahrscheinlich kein typischer Türke. (So, jetzt ist Schluß mit Stereotypen!). Vielleicht hängt es auch damit zusammen, daß ich ständig vor einem Publikum stehe (oder sitze wie in Tampere) und sprechen muß, daß ich im privaten Kreis oft auch gerne schweige. Oder damit, daß ich gerne anderen Menschen zuhöre. Oder damit, daß ich seit einiger Zeit mich intensiv mit dem Buddhismus beschäftge und meditiere. (Und in einem Kurs über Achtsamkeit auch mal einen ganzen Tag lang schweigen muß)

Apropos Meditation: Achtsamkeit und Gewahrsein sind die Grundpfeiler der buddhistischen Geistesschulung. Deswegen fasste der Buddha Shakyamuni vor 2500 Jahren die Quintessenz seiner gesamten Lehre mit folgendem Satz zusammen: „Im Sehen ist nur das Gesehene, im Hören ist nur das Gehörte, im Berühren ist nur das Berührte, im Riechen ist nur das Gerochene…“ Finnland war damals wie heute sehr weit von Indien, wo der Buddha Shakyamuni erwachte und danach 45 Jahre lang lehrte. Für finnische Buddhisten würde er wohl heute noch einen Zusatz haben: „Im Schweigen ist nur das Geschwiegene“!

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Busfahren in Tampere

„Kaptan müsait bir yerde!“

Diesen türkischen Satz kann man so übersetzen ins Deutsche: „Kapitän, an einer passenden Stelle!“

Aber der, dem dieser Satz gilt, ist kein Kapitän! Er steht nicht hinter dem Steuerrad eines Kutters oder Schiffes. Und er wird auch nicht dazu aufgefordert, den Anker einer Yacht an einer schönen Stelle in der Bucht auszuwerfen. Oder aber ein Boot an einer geeigneten Stelle am Steg anzulegen. Dieser kurze Satz, der oft beiläufig, manchmal spontan und immer von hinten kommt, gilt dem Fahrer, der hinter einem Lenkrad sitzt. Mit diesem Satz wird er gebeten, bei Gelegenheit an einer passenden Stelle am Straßenrand kurz rechts ranzufahren damit man aussteigen kann. Aussteigen aus einem Dolmusch, einem Sammeltaxi. (Eine unglückliche Übersetzung, aber eine bessere fällt mir im Augenblick nicht ein…)

Ich kann mich noch sehr gut an diese Dolmusche erinnern in der Türkei. In meiner Jugend waren das immer alte amerikansche „Schlitten“ mit der Gangschaltung am Lenkrad: Dodge, Plymouth, Chevrolet und Cadillac… Zum Teil waren sie im Innenraum etwas umgebaut. Und ob man es glaubt oder nicht: Ich bin in Adana auch schon mal mit einem alten Chevy (die, mit den legendären Heckflossen), einem normalen amerikanischen Familienauto gefahren, in dem außer mir noch zehn andere Fahrgäste saßen! (Dagegen ist es ein Kinderspiel, auf einem Tuc-Tuc in Mumbai oder Bangkok mit vier Personen zu fahren…!)

Die Ära dieser alten Ami-Schlitten gehört längst der Vergangenheit an. Schon vor Jahren hat ein „Minibüs“, ein Kleinbus, den Platz eines Dolmusch eingenommen. Am Prinzip hat sich aber bis heute nichts geändert: Solch ein Dolmusch fährt eine bestimmte Route. Man kann als Fahrgast ein- und aussteigen wo man will. Haltestellen gibt es nicht. Wer aussteigen will, gibt Bescheid (siehe oben!). Und wer einsteigen will, streckt am Straßenrand kurz den Arm aus. Man zahlt selten direkt beim Fahrer. Wenn man sich hingesetzt hat, reicht man irgendwann bevor man aussteigt einem Fahrgast vor sich das Geld über die Schulter hin. Der reicht es dann einem anderen Fahrgast weiter nach vorne. Irgendwann erreicht das Geld den Fahrer, der es über die Schulter entgegen nimmt. Wenn es passend ist, dann gut. Wenn nicht, dann sucht er das entsprechende zusammen und reicht es wiederum über die Schulter an irgendjemandem hinter sich. Und der wiederum weiter nach hinten, bis das Wechselgeld da ist, wo es hin soll.

Wenn man wissen will, wie multifunktional ein Türke agieren kann, braucht man sich nur einen Dolmusch-Fahrer vor Augen zu führen: Er steuert einen kleinen Bus voller Fahrgäste, fährt ständig rechts ran und wieder weiter, macht die Türen auf und wieder zu, ruft ständig aus dem Fenster und der Tür, welche Route er fährt, nimmt das Fahrgeld entgegen und gibt Wechselgeld zurück – und seit einiger Zeit telefoniert er auch noch gleichzeitig auf seinem Smartphone…

Aber warum erzähle ich all das eigentlich? Weil mich das Busfahren in Tampere an meine Fahrten im Dolmusch erinnert hat! Allerdings nur an einem einzigen Punkt: So wie in der Türkei die Menschen am Straßenrand den Arm ausstrecken, damit der Dolmusch hält und sie mitnimmt, so machen das die Finnen hier in Tampere auch! Allerdings nicht am Straßenrand, sondern an einer echten Bushaltestelle! Manche machen das sogar ganz cool. Viele haben schon ihre Buskarte in der Hand, wenn sie ihren Arm ausstrecken. Bei manchen zeigt die Handinnenfläche nach links Richtung Bus und der Daumen ist leicht angehoben. Das sieht das fast so aus, als ob sie per Anhalter fahren wollten.

Am Anfang hat mich das irritiert als ich das aus dem Bus heraus gesehen habe bei meiner ersten Fahrt von meiner „Dichterklause“ in Haiharan in die Innenstadt von Tampere. Das ist doch ein modernes europäisches Land, in dem alles so gut geregelt ist und Ordnung herrscht, dachte ich. Ich stehe an einer Bushaltestelle, die ganz klar und deutlich als solche ausgewiesen ist und wo sich oft auch ein kleines Haltehäuschen befindet. Aber dennoch: Wenn man den Arm nicht ausstreckt, dann hält der Bus nicht an, wird man nicht mitgenommen. Das haben mir zumindest einige Finnen gesagt, die ich in Tamere gefragt habe, um ja sicherzugehen.

Und mittlerweile macht es mir echt Spaß: Sobald ich den Bus Nr. 10 erblicke, hole ich mit meiner rechten Hand ganz elegant meine aufladbare Buskarte aus der linken Brusttasche meiner dicken Helly-Hansen-Jacke und strecke meinen Arm aus. Ich schmunzele innerlich und blicke ganz entspannt dem Bus entgegen, denn ich weiß, daß der Fahrer anhalten und mich mitnehmen wird.

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Meine Heimat ist Bayern

Buchcover: »Meine Heimat ist Bayern«

Wenn gleich fünf Schulklassen zusammen mit Nevfel Cumart über ein breites Spektrum von Themen schreiben – das Zuhause und die Fremde, Privates und Politik, Migration und Miteinander –, dann kommt schnell viel Material zusammen. Satte 160 Seiten, um genau zu sein!

Beteiligt waren Schülerinnen und Schüler der Berufsoberschule in Landshut und der Mittelschule Velden, die auf Initiative des Landshut’schen Kreisjugendpflegers Karl-Jörg Schröter und unter der Schirmherrschaft von Landrat Peter Dreier an einem großangelegten Schreibprojekt teilnahmen. Ihre Gedanken, Gefühle und Ideen sind nun in einem Buch versammelt.

»Meine Heimat ist Bayern – Schülerinnen und Schüler aus der Region Landshut schreiben über ihr Leben, ihre Zukunft und die Welt« lautet der Titel, und der trifft den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf. Nevfel Cumart erläutert in seinem Vorwort: Natürlich bieten sich das eigene Lebensumfeld, das Zuhause und die vorhandenen Zukunftswünsche als thematische Anker an. Aber nicht nur.

Nevfel Cumart mit Jugendlichen beim Schreibprojekt Landshut
Nevfel Cumart mit Jugendlichen beim Schreibprojekt Landshut

Denn: Wer als Jugendlicher mit wachem Verstand und offenen Augen durch das Leben geht, wird auch die gesellschaftlichen Probleme und Ereignisse unserer Zeit nicht übersehen. Sie beschränken sich nicht auf die Probleme, die uns derzeit in Deutschland beschäftigen, etwa die Diskussion um den Zuzug von vielen Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten und hier Zuflucht fanden. Oder aber das Leben von Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft hier bei uns.

Nevfel Cumart mit Jugendlichen beim Schreibprojekt Landshut
Nevfel Cumart mit Jugendlichen beim Schreibprojekt Landshut

Eine der fünf Klassen besteht ausschließlich aus jungen Geflüchteten; deren Lebenserfahrungen stellen einen der wichtigen Pfeiler dieser Textsammlung dar, haben sie doch Flucht und Migration, somit auch das Leben in der Fremde, am eigenen Leib erfahren. Aber die Bandbreite der Inhalte reicht noch weiter, wie Nevfel Cumart im Vorwort betont: Ins thematische Blickfeld der jugendlichen Schreiber rückten auch die Lebensumstände von Jugendlichen in anderen Ländern ebenso wie das politische Geschehen in diversen Regionen dieser Welt, um stellvertretend zwei Aspekte zu nennen.

 

»Ich mag den Herrn Cumart«

Nevfel Cumart, © Holbein-Gymnasium Augsburg
Nevfel Cumart, © Holbein-Gymnasium Augsburg

Schon seit Jahren ist der Dichter alljährlich zu Gast bei den Schülerinnen und Schülern der 6. Klassen am Holbein-Gymnasium Augsburg. Auch im Mai 2018 war es wieder so weit, und die Schule schrieb danach: Er begeisterte einmal mehr seine Zuhörer mit seinen Texten, aber auch mit seiner lebendigen, offenen und zugewandten Art. Er ließ sich wie immer auf sein Publikum ein und stellte sich den neugierigen Fragen der Jungen und Mädchen. (…) Er zeigt uns, dass man auch in schwierigen Lebenslagen seinen ganz eigenen, guten Weg finden kann. Anrührend, lustig und beeindruckend ist, was die Schüler anschließend zu sagen hatten:

Man kann sich in seinen Gedichten ein bisschen spiegeln und ihm stundenlang zuhören, schrieb Markus, und Emma war beeindruckt davon, was er schon alles in seinem Leben gemacht hat. Er ist ein fröhlicher Mensch mit dem Herz am rechten Fleck! Gabriel wünschte sich Nevfel Cumart als Teil des Kollegiums: Wenn wir diesen Mann als Lehrer hätten, wäre der Unterricht so entspannt, dass er vielleicht sogar richtig Spaß machen könnte! Und Niklas war überrascht: Ich stelle mir einen Dichter eher streng und ernst vor. Aber Herr Cumart war das komplette Gegenteil.

Der ganze Artikel findet sich auf der Website der Schule.

 

»Blick auf Bamberg«

Buchcover: »Blick auf Bamberg«

Bamberg ist einzigartig. Natürlich kann das jede Stadt von sich behaupten, aber gäbe es die Steigerungsformen, dann wäre Bamberg wohl »einzigartiger«. Oder gar »einzigartigst«? Ein Fotograf und siebzehn Autoren haben sich daran gemacht, diese Einzigartigkeit in Wort und Bild zu fassen, und ihr ein Buch gewidmet: »Blick auf Bamberg« heißt es und ist kürzlich erschienen – mit einigen Gedichten von Nevfel Cumart.

Begeistert von der Grundidee des Fotografen Jürgen Schabel, selbst Nürnberger mit engen Verbindungen nach Bamberg (so stammen die offiziellen Bilder der Bamberger Universität von ihm), ließ Cumart sich bei einem frühen Treffen von dessen Fotos auf das Buchprojekt einstimmen und wählte eine Reihe seiner Gedichte für den Band aus. Das Ergebnis, das zum Beispiel auch Wortbeiträge von Tanja Kinkel, Nora Gomringer oder dem Sams-Vater Paul Maar enthält, inspirierte den Nürnberger Journalisten Olaf Przybilla (»Die Affäre Mollath«) zu einer beinahe ihrerseits schon poetischen Rezension für die Süddeutsche mit dem Titel »Liebeserklärungen an Bamberg«.

Der Verlag schreibt auf seiner Webpage zum Buch: (…) es gibt immer noch viele Ecken und Winkel, die auch dem Bamberger und dem längst integrierten Zugezogenen – bisher – unbekannt waren. Ein neuer Bildband zeigt nun neue Einblicke und Blickwinkel. Und er zeigt die enge Verbundenheit von 17 bekannten Bamberger Autoren mit der Sieben-Hügel-Stadt. Bamberch muss mer mööng! Dem können sie allesamt zustimmen.

Wer jetzt Lust auf mehr bekommen hat, mag »Blick auf Bamberg« direkt beim Verlag bestellen.

 

Langer Tag der Flucht in Innsbruck

Nevfel Cumart beim Langen Tag der Flucht
Nevfel Cumart beim Langen Tag der Flucht

Um Geflüchtete in aller Welt kümmert sich das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen, kurz UNHCR. Es ist auch Initiator und Organisator der österreichischen Veranstaltung »Langer Tag der Flucht«, die eine Plattform bietet für eine Vielzahl von unterschiedlichsten Programmpunkten rund um die Themen Flucht und Asyl. Eine bunte Mischung von Veranstaltern aus Kunst, Kultur, Sport und der Migrationsarbeit steuert Beiträge bei.

In diesem Jahr war Nevfel Cumart eingeladen. Er las im Innsbrucker Stadtteilzentrum Wilten aus seinen gesellschaftlich-politischen Werken, wie es die Ankündigung formulierte, und erzählte humorvolle Momentaufnahmen aus einem Leben in verschiedenen Kulturen.

Der Veranstaltungsraum war bis auf den letzten Platz besetzt, auch einige junge Geflüchtete waren im Publikum; beim anschließenden Büffet entspannen sich angeregte Diskussionen. Nicht wenige der Besucher nutzten die Gelegenheit, Nevfel Cumart Fragen zu stellen.

Der Erlös der Veranstaltung, sowohl des Büffets, als auch der Buchverkäufe vor Ort, geht in die Arbeit mit den unbegleiteten, minderjährigen Geflüchteten (UMG).

Seit 2012 veranstaltet das UNHCR Österreich den »Langen Tag der Flucht«; was mit 45 Veranstaltungen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland begann, wuchs schon 2015 zu einer landesweiten Veranstaltung mit Events rund um die Themen Flucht und Asyl in allen neun Bundesländern. Mehr darüber gibt es auf der Website langertagderflucht.at zu lesen; sehr schön ist auch der Beitrag zur Lesung auf der Website der Veranstalter. Außerdem ist ein interessantes Interview mit Nevfel Cumart in der Tiroler Tageszeitung erschienen (PDF-Download).

 

Schreibwerkstatt in Weiden

Nicht Jugendliche einer allgemeinbildenden Schule waren es diesmal, mit denen Nevfel Cumart in seiner jüngsten Schreibwerkstatt arbeitete. Vielmehr waren es Studierende der Arabisch-Dolmetscher-Akademie in Weiden/Oberpfalz, die »jenseits des Schulgeschehens« Gelegenheit bekommen sollten, sich schreibend mit ihrem eigenen Leben zu beschäftigen. Oder, wie es die Schule in ihrem Konzept ausdrückt: Eine mangelnde Schreib- und Lesekompetenz kann der Ausgangspunkt vielfältiger und lebenslanger Benachteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund sein (…) In der Schreibwerkstatt sollen sich Jugendliche aus verschiedenen Kulturen treffen, um sich gemeinsam kreativ und spielerisch der deutschen Schriftsprache zu nähern.

Nevfel Cumart und Teilnehmer der Schreibwerkstatt
Nevfel Cumart mit den Teilnehmern der Schreibwerkstatt. Nur kurzfristig durften die beiden Lehrerinnen (stehend, von links: Andrea Hielscher und Katharina Kiener) im Raum sein. Bild: sbü/onetz.de

Cumart war daran gelegen, den Schülern einen geschützten Raum zu bieten, in dem weder literarische Meisterwerke erwartet wurden, noch äußere Einflüsse stören konnten; so waren beispielsweise die Lehrer und ihre kontrollierende Beobachtung weitgehend ausgeschlossen, damit das Schreiben vor allem Vertrauen in das eigene Können schaffen und die Freude am Schreiben eigener Texte gefördert werden konnte, wie es im Konzept heißt.

Die Themen der Schreibwerkstatt orientierten sich am Fluchthintergrund der Studierenden, »Leben in der Fremde« oder »Woher ich komme« waren die Impulse für Texte, die Cumart selbst als »sehr bewegend« empfand. Auch Allgemeineres wurde be-schrieben, wie Was finde ich schlimm in meinem Leben? oder Was bereitet mir Freude? Vor allem die Familie spielte immer wieder eine große Rolle – denn, wie es Cumart ausdrückte: Wer verlässt schon freiwillig seine Heimat?

Die Texte sollen im Jahresbericht der Fachakademie veröffentlicht werden. Die Zeitung Der neue Tag berichtete über die Schreibwerkstatt (PDF-Download), und auch online finden sich einige zusätzliche Informationen.

 

Nevfel Cumart Gastredner bei den Interkulturellen Wochen in Landshut

Unter dem Motto »Vielfalt verbindet« feiern die Interkulturellen Wochen in Landshut ihren dreißigsten Geburtstag. Zur Eröffnung dieses Jubiläums war Nevfel Cumart als Gastredner eingeladen.

Nach einer Gratulation, die er den Veranstaltern für ihre Kontinuität über inzwischen drei Jahrzehnte aussprach, ging Cumart vor allem auf die aktuelle Situation von Geflüchteten ein. Er erinnerte daran, dass nicht nur Krieg, sondern auch Rohstoffhandel und Landraub, Umweltzerstörung, Klimawandel und manch andere Gründe Menschen in die Flucht treiben können.

Nevfel Cumart bei den Interkulturellen Wochen Landshut
Nevfel Cumart bei den Interkulturellen Wochen Landshut

Die momentane Entwicklung sei zwar auch Herausforderung, aber vor allem Chance, die es zu ergreifen gelte: Die Qualifikationen und Fähigkeiten der zu uns Kommenden könnten unsere Gesellschaft bereichern, vor allem die der jungen Geflüchteten, und wir sollten ihnen mit Vertrauen statt Misstrauen begegnen, ihnen Teilhabe und Beteiligung anbieten statt Bemutterung und Bevormundung.

Für ein gemeinsames Miteinander biete das Grundgesetz mit seinen Grundrechten für alle in Deutschland Lebenden eine unverrückbare und nicht verhandelbare Wertebasis.

Noch bis zum 8. Oktober wird im Landshuter Haus International die mottogebende Ausstellung »Vielfalt verbindet – wir sind dabei« gezeigt; noch bis zum 14. Oktober stehen eine Reihe von Vorträgen und Lesungen auf dem Programm. Nevfel Cumart selbst wird am 11. Oktober in seinem Vortrag »Man rief Arbeitskräfte, es kamen Menschen« die Geschichte der türkischen Migration in Deutschand von den Anfängen 1961 bis heute nachzeichnen. Weitere Informationen finden sich auf der Website landshut-interkulturell.de.

 

»Der Herr der Welten«

Buchcover »Religion unterrichten«

Das Bistum Hildesheim veröffentlicht unter dem Titel »Religion unterrichten« regelmäßig eine Zeitschrift mit Materialien für niedersächsische Religionslehrer; schon 2016 hatte Nevfel Cumart darin einen Artikel zum Thema Islam veröffentlicht. Auch in diesem Jahr schrieb er wieder einen Beitrag, diesmal zu Schöpfung und Menschenbild im Islam. Sein Text gliedert sich in vier Kapitel: 1. Gott der Schöpfer, 2. Die Schöpfung des Menschen, 3. Wesen, Charakter und Eigenschaften des Menschen, und 4. Der Glaube und die Bewährungsprobe des Menschen.

Auch hier gelingt es Cumart wieder, die Gemeinsamkeiten zu entdecken; so findet er in Sure 7, Vers 54: Euer Herr ist Gott, der Himmel und Erde in sechs Tagen geschaffen und sich daraufhin auf dem Thron zurechtgesetzt hat. Allerdings gibt es schon am Anfang der Schöpfungsgeschichte einen Unterschied, wie Cumart ausführt: Weitaus nachdrücklicher und konsequenter als in der biblischen Schöpfungsgeschichte ist Gott der Schöpfer im Islam ein permanent wirkender Erschaffer. In Sure 24, Vers 43, findet er diesen Hinweis: Hast du denn nicht gesehen, daß Gott einzelne Wolken dahertreibt, sie hierauf zu einer Wolkendecke vereinigt und hierauf zu Haufen macht? Dann siehst du den Platzregen dazwischen herauskommen. Und Gott läßt vom Himmel Berge von Wolken herabkommen, mit Hagel darin, und trifft damit, wen er will, und wendet es ab, von wem er will. Oder auch in Sure 55, Vers 29, wo es heißt: Er ist jeden Tag mit einer Sache beschäftigt.

In der Auffassung vom Menschen gibt es ebenfalls neben Gemeinsamkeiten auch Unterschiede, denn laut Koran ist der Mensch nicht Ebenbild Gottes, wie es in der biblischen Tradition verankert ist. Vielmehr stehen sich im Islam Gott, dem nichts gleicht, und Mensch gegenüber als Schöpfer und Geschöpf. Dennoch genießt das Menschenleben einen hohen Stellenwert, wie Sure 5, Vers 32, vermittelt: Wer ein menschliches Wesen tötet, ohne dass es einen Mord beging oder auf der Erde Unheil stiftete, so ist es, als ob er alle Menschen getötet hätte.

Schließlich geht Cumart in seinem Artikel noch auf Wesen, Charakter und Eigenschaften des Menschen ein und stellt zum Beispiel fest, dass im Koran eine ambivalente Beschreibung des Menschen vorherrscht. Das Urteil über den von Gott erschaffenen Menschen kann recht unterschiedlich lauten. Einerseits positiv, wenn in diversen Versen des Korans ausgeführt wird, dass der Mensch in bester Form erschaffen sei (Sure 95, Vers 4) und auch über den Engeln stehe (Sure 15, Vers 26) und auch generell die gute Schöpfung Gottes sei. Andererseits zeigt aber die Erfahrung, die das erste Menschenpaar (Adam und Eva) im Paradies machen mußte, daß der Mensch Schwachheit und Sündhaftigkeit in sich trägt. Der Mensch ist also mit zahllosen negativen Eigenschaften versehen und er ist wankelmütig, ihm fehlt Entschlossenheit. Sure 4, Vers 28 bringt es auf den Punkt: Der Mensch ist von Natur aus schwach.

Den ganzen Beitrag gibt es hier als PDF, die komplette Ausgabe der Zeitschrift steht auf der Website des Bistums als PDF zur Verfügung.

 

»Orient und Okzident«: Ein politisches Buch

Buchcover: »Orient und Okzident«

Er ist zwar vor allem als Poet bekannt, hat aber in seiner sonstigen Arbeit – zum Beispiel bei seinen Schreibwerkstätten mit Schülern – schon immer versucht, die Verständnisprobleme zwischen Ost und West, zwischen Christen und Muslimen aktiv anzugehen und zu helfen, sie zu lösen. Jetzt will Nevfel Cumart – zusammen mit seinem Co-Autoren Ulrich Waas – auch als Sachbuchschreiber zur Diskussion beitragen.

Zahlreiche Bücher behandeln einzelne Aspekte, wie die Geschichte des Islam und des Osmanischen Reichs, den Koran, die Scharia und den Salafismus, die Rolle der muslimischen Frau … – was fehlt, ist aber die Verknüpfung all dieser Aspekte, der Blick aufs große Ganze, der es auch Laien ermöglicht, die Spannungen zwischen Abend- und Morgenland geschichtlich und inhaltlich besser und vorurteilsfrei zu verstehen.

Illustration aus »Orient und Okzident – die andere Geschichte. Das Fremde als kulturelle Bereicherung«
Illustration aus »Orient und Okzident – die andere Geschichte. Das Fremde als kulturelle Bereicherung«

Diese Lücke füllt nun »Orient und Okzident – die andere Geschichte. Das Fremde als kulturelle Bereicherung«. Ausgehend von der heutigen Situation, die vorwiegend von Ängsten, vom scheinbaren »Kampf der Kulturen« geprägt ist, schauen Cumart und Waas in die Vergangenheit, die immer wieder von fruchtbarer gegenseitiger Bereicherung geprägt war, in der Kultur, in der Wissenschaft – wenn die Gesellschaften offen waren für das Neue und die Anregung durch das Fremde. Aber es zeigt auch, wie Entwicklungen stagnierten oder gar Rückschritt die Folge war, wenn die Offenheit fehlte und Osten oder Westen sich isolierten.

Das Buch ist ein Plädoyer für den Dialog, einen fruchtbaren Dialog, der nur in gegenseitigem Respekt und Verständnis füreinander entstehen kann. Verständnis, zu dem das Buch beitragen will.

Etwas zusätzliche Information bieten ein Flyer (PDF-Download) und die Website des Herder-Verlags (dort kann das Buch auch bestellt werden). Im Interview mit der »Fränkischen Nacht« (PDF-Download) geht Nevfel Cumart näher auf einige Aspekte des Buches ein, und der »Fränkische Tag« stellte es in einem Artikel vor (PDF-Download). Und auch das Magazin »ECHT Oberfranken« veröffentlichte eine Buchvorstellung (PDF-Download).

 

Nevfel Cumart Herausgeber der »Autorenpatenschaften«

Buchcover: »Autorenpatenschaften«

Selten habe ich mich so gefreut und war gleichzeitig so gespannt auf ein Projekt wie dieses, schreibt er in seinem Vorwort zu dieser Anthologie. Und weiter: Gefreut habe ich mich wegen der Zeit: 15 Werkstatt-Tage, schön viel Zeit, um das Projekt methodisch-didaktisch durchzuführen, viel Zeit für Gespräche und Austausch und eben auch sehr viel Zeit zum Schreiben. Gespannt war ich auf die Zusammensetzung der Gruppe: Jugendliche von einer Integrierten Gesamtschule, zum Teil mit reichlich Schreiberfahrung ausgestattet, und junge Geflüchtete, die alle in den Gebäuden des ehemaligen Instituts für den wissenschaftlichen Film (IWF) zum Teil ohne ihre Familien lebten und sich zumeist seit nicht allzu langer Zeit in Deutschland aufhielten. Würde es klappen, mit solch einer heterogenen Gruppe dieses Projekt durchzuführen?

Nevfel Cumart bei der Arbeit mit einer Göttinger Schülerin
Nevfel Cumart bei der Arbeit mit einer Göttinger Schülerin

»Auf der Suche nach Heimat – Über Flucht und Migration« lautete der Arbeitstitel des Projekts. Stattgefunden hat es während des gesamten vergangenen Jahres in Göttingen, beteiligt waren die Georg-Lichtenberg-Gesamtschule und das Flüchtlingsheim IWF, und knapp die Hälfte aller entstandenen Texte haben Eingang gefunden in diese Textsammlung – die, um noch ein letztes Mal Cumarts Vorwort zu zitieren, ein überzeugender Beleg dafür ist, welche erstaunlichen kreativen Potentiale bei Jugendlichen freigesetzt werden können, wenn sie gezielt motiviert werden und eine professionelle Anleitung erhalten.

Erschienen ist die Sammlung nun als Band 23 der Reihe »Autorenpatenschaften«, veröffentlicht mit Unterstützung der Friedrich-Bödecker-Kreise e. V. und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, und Co-Herausgeber ist neben Nevfel Cumart der Merseburger Schriftsteller Jürgen Jankofsky in seiner Eigenschaft als Koordinator des Bundesprojektes.

 

Schirmherr des Bamberger Literaturfestivals

Nevfel Cumart beim Bamberger Literaturfestival 2017

»19 Autoren – 30 Lesungen – eine Region«: Das war, aufs Allerkürzeste zusammengefasst, das diesjährige Literaturfest der Stadt der sieben Hügel. Die Autorin Tanja Kinkel und Nevfel Cumart übernahmen die Schirmherrschaft; Letzterer lud außerdem zu vier Lesungen im Rahmen des »Bamlit« ein und moderierte zwei der zahlreichen Veranstaltungen (einmal gemeinsam mit dem Schriftstellerkollegen Feridun Zaimoglu, einmal mit dem Philosophen Wilhelm Schmid).

Nevfel Cumart, Tanja Kinkel und Thomas Kraft beim Bamberger Literaturfestival 2017
Nevfel Cumart, Tanja Kinkel und Thomas Kraft beim Bamberger Literaturfestival 2017

Es war bereits das zweite seiner Art, und auch in diesem Jahr stand das Bamberger Literaturfestival vor allem für Vielfalt. Das Programm sei außergewöhnlich, hatte Kurator Thomas Kraft beim Pressegespräch gesagt, und wolle nicht nur die begeistern, die sich ohnehin schon als Kenner der Literaturszene sehen, sondern auch jene, die der Bücherwelt aufgeschlossen und neugierig gegenüberstehen. Und die jungen Leser: Landrat Johann Kalb, Initiator des Bamlits, war es ein besonderes Anliegen, schon Kinder und Jugendliche fürs Lesen und für Bücher zu begeistern.

Nevfel Cumart und Feridun Zaimoglu beim Bamberger Literaturfestival 2017
Nevfel Cumart und Feridun Zaimoglu beim Bamberger Literaturfestival 2017

Nevfel Cumart freute sich besonders auf seinen Freund und Kollegen Feridun Zaimoglu und auf Martin Suter; er war in seiner Funktion als Schirmherr während der gesamten mehr als zwei Wochen bei fast allen Veranstaltungen dabei und sah sich in seiner Prognose bestätigt, die er vorab gewagt hatte: Ich freue mich sehr darüber, daß die Region Bamberg für zwei Wochen zu einem literarischen Zentrum avancieren wird. Und ich bin mir sicher, daß die Augen vieler Literaturinteressierter in dieser Zeit auf uns gerichtet sein werden!

Wer sich näher informieren möchte, mag das auf der Website des Festivals tun; die Zeitung »In Franken« hat zudem einen Bericht über eine Lesung Cumarts veröffentlicht (PDF-Download).

 

Nevfel Cumart beim »Dies academicus«

369 Jahre ist sie inzwischen alt, die Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Alljährlich zum Geburtstag wird der »Dies academicus« veranstaltet, der »akademische Tag«, und in diesem Jahr war Nevfel Cumart als Festredner geladen.

Nevfel Cumart
Nevfel Cumart

Der sich dann allerdings als weniger festlich erwies, sondern eher in Plauderlaune zeigte: Für einen Vortrag fehle ihm die Zeit, scherzte der Wahl-Bamberger Cumart und gestaltete sein Thema »Wir riefen Arbeitskräfte und es kamen Menschen« als persönliche Zeitreise durch sechzig Jahre türkische Migration in Deutschland.

Ausgehend von den Sechzigerjahren, in denen seine Eltern ins Land kamen und er selbst im niedersächsischen Stade aufwuchs, spannte er den Bogen bis ins Heute. Erinnerte daran, dass schon in den Siebzigern Deutschland de facto ein Einwanderungsland geworden war, weil die Türken als Arbeitskräfte gebraucht wurden.

Nevfel Cumart, Universitätspräsident Godehard Ruppert und Staatsminister Ludwig Spaenle
Nevfel Cumart, Universitätspräsident Godehard Ruppert und Staatsminister Ludwig Spaenle

Dass sie bleiben wollten, war so nie wirklich vorgesehen; in den Achtzigern wurde statt Integrationshilfen eine Rückkehrprämie beschlossen. Anfang des neuen Jahrtausend gab es dann endlich – 27 Jahre zu spät, wie Cumart anmerkte – Integrationsgipfel und -bestrebungen, andererseits aber auch zunehmenden Argwohn gegenüber dem Islam, der vor allem erschreckender Unkenntnis geschuldet sei, die viele nicht davor bewahrt, trotzdem eine Meinung zu haben. Deutschland sei heute ein Einwanderungsland ohne Einwanderungsbewusstsein und Realitätsbezug.

Nevfel Cumart
Nevfel Cumart

Hier ein Artikel aus dem »Fränkischen Tag« als PDF; weitere Informationen und eine Rückschau auf den Tag finden sich auch auf der Website der Bamberger Uni.

 

IHK-Kulturpreis Literatur 2016 für Nevfel Cumart

IHK Kulturpreis: Nevfel Cumart mit Prof. Dr. Christian Rödl bei der Urkundenübergabe
IHK Kulturpreis: Nevfel Cumart mit Prof. Dr. Christian Rödl bei der Urkundenübergabe

Ein runder Geburtstag und eine Premiere: Zum zwanzigsten Male wurde der »Kulturpreis der mittelfränkischen Wirtschaft« vergeben, und erstmals ist der Preisträger kein Mittelfranke – sondern der oberfränkische Dichter, Schriftsteller und Übersetzer, Islamwissenschaftler und Literaturvermittler Nevfel Cumart.

Die IHK-Kulturstiftung der mittelfränkischen Wirtschaft ist Austrägerin des Preises; sie schreibt zur Verleihung: Nevfel Cumart ist mehr als nur ein Dichter, er ist zudem ein Brückenbauer zwischen den Kulturen. Seit über drei Jahrzehnten vermittelt er zwischen der Türkei und Deutschland, Orient und Okzident, Islam und Christentum, zwischen Einheimischen und Zugereisten. Nevfel Cumart ist selbst ein Musterbeispiel für gelungene Integration (…) Er kommt aus ganz einfachen Verhältnissen, seine Eltern gehörten in der Türkei zu einer arabischen Minderheit und kamen als Gastarbeiter nach Deutschland. Die Außenseiterrolle ist Cumart also seit seiner Kindheit vertraut. Er hat das Beste daraus gemacht und ist hellhörig geworden für die Feinheiten der Sprache, die Widersprüche der Religion und die Bruchstellen in der Gesellschaft.

Literaturpreis 2016 der IHK-Kulturstiftung, Dankesrede Nevfel Cumarts (Foto: Kurt Fuchs/IHK)
Literaturpreis 2016 der IHK-Kulturstiftung, Dankesrede Nevfel Cumarts (Foto: Kurt Fuchs/IHK)

Der Preisträger las eigene Gedichte und erzählte aus seinem Leben, überraschte manche der über achtzig Zuhörer mit Rückblicken wie diesem: Wir hatten keine Bücher zuhause. Und er erinnerte sich an jenes Werk, das dem Jungen eine erste Inspiration und gewissermaßen Initialzündung fürs eigene Schreiben werden sollte: James Fenimore Coopers »Lederstrumpf«.

Der Kulturpreis ist, nach der Auszeichnung »Künstler des Monats« der Metropolregion Nürnberg, schon die zweite Ehrung für Nevfel Cumart in diesem Jahr.

Hier zum Nachlesen als PDFs die Ankündigungen der Preisverleihung in den »Nürnberger Nachrichten« und dem »Fränkischen Tag« sowie ein Bericht von der Veranstaltung aus dem Magazin »Fränkische Nacht«.

 

Interview in dipolo

Buchcover: dipolo Nürnberg 2016

In der aktuellen Ausgabe des Studentenmagazins dipolo findet sich ein Interview mit Nevfel Cumart. Das Magazin informiert laut Eigenwerbung angehende Abiturienten attraktiv aufbereitet über duale Studienmöglichkeiten in bestimmten Regionen. Die Magazine enthalten nicht nur authentische Porträts von Studierenden und Absolventen, sondern geben auch Tipps rund ums Studium und stellen die Lebensqualität in der Region heraus.

Nevfel Cumart im Interview mit dipolo
Nevfel Cumart im Interview mit dipolo

Da passt natürlich ein Gespräch mit einem Dichter der Region hervorragend; Cumart erzählt über seine Verbindung mit Bamberg und Franken, wie seine orientalischen Wurzeln bis heute seine Sprache formen und was sein Lieblingsberuf ist: Mein Herz schlägt […] für die Lyrik. Wenn ich nur einen Beruf nennen dürfte, würde ich sicherlich Dichter sagen.

In dem ausführlichen Interview kommen auch Einzelheiten aus Cumarts Lebensgeschichte zur Sprache: Ich stamme aus einer armen Familie und musste Geld verdienen für mein späteres Studium. Damals habe ich in einer Siedlung mit 350 türkischen Familien gewohnt. Außer mir besuchte niemand das Gymnasium. Die Männer arbeiteten an den Hochöfen der dortigen Aluminiumwerke. Ich wollte zeigen, dass es auch anders geht und wie wichtig es ist, eine gute Ausbildung zu haben.

Nevfel Cumart im Interview mit dipolo
Nevfel Cumart im Interview mit dipolo

Das ganze Interview gibt es hier als PDF-Download, und das Magazin hat auch eine eigene Website.

 

»Tod und Trauer im Islam«

Buchcover: »Religion Unterrichten« (Aug. 2016)

Unter diesem Titel hat Nevfel Cumart einen Artikel veröffentlicht, der in »Religion unterrichten« erschien. Die Zeitschrift für niedersächsische Religionslehrer wird regelmäßig vom Bistum Hildesheim veröffentlicht und widmete sich in der August-Ausgabe dem Thema Islam.

Tasbih-Misbaha
Tasbih-Misbaha (Bild: Wikipedia, public domain)

Cumart stellt in seinem Beitrag die Sicht des Islam auf den Tod dar, beschreibt Bestattungsrituale und Trauerbekundungen und zitiert dabei mehrfach aus dem Koran. Dabei werden, neben den natürlich vorhandenen Unterschieden, vor allem auch die Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen deutlich; der Islam kennt ebenso den Glauben an ein Weiterleben nach dem Tod, das Jüngste Gericht und das von Gott festgelegte Schicksal und ist darin dem Christentum weitaus näher, als manche Kritiker annehmen möchten.

Ein lesenswerter Exkurs, der allen, die sich ein wenig mehr mit dem Islam beschäftigen möchten, sicherlich interessante Einblicke gewährt; hier gibt es den Text zum Nachlesen als PDF-Download. Das gesamte Magazin findet sich auf der Website des Bistums.

 

Nevfel Cumart zu Gast bei »Wir in Bayern«

Angekündigt wurde er als der »Brückenbauer«, Moderator Michael Sporer befragte ihn zu Themen wie Heimat und Integration, aber auch über seine Arbeit an Schulen mit Jugendlichen und seinen Kreativen Schreibwerkstätten: Am 22. März war Nevfel Cumart in das beliebte Nachmittagsmagazin des Bayerischen Rundfunks eingeladen.

Vor der Sendung: Cumart macht sich mit der Technik vertraut
Vor der Sendung: Cumart macht sich mit der Technik vertraut

Zunächst allerdings stand die Sendung unter dem Eindruck der Anschläge von Brüssel am selben Tag; die zwei sprachen daher auch über den Islam und darüber, welche Auswirkungen solche Gewalt auf Nevfel Cumart, seine Arbeit und das Verhältnis zwischen Deutschen und Muslimen in Deutschland haben.

Nach der Sendung: Cumart entspannt mit Tochter Amelia
Nach der Sendung: Cumart entspannt mit Tochter Amelia

Gegen Ende der Sendung ging es dann, passend zum lokalen Bezug der Sendung, auch noch um Nevfel Cumarts Bamberg-Quiz, das Michael Sporer seinen Zuschauern vorstellte.

Wer diese Folge von »Wir in Bayern« verpasst hat, kann sie sich in der BR-Mediathek anschauen. Leider ist die Sendung mittlerweile nicht mehr in der Mediathek vorhanden.

 

Cumart lektoriert und übersetzt Ausstellungskatalog

Buchcover: »Arbeitswelt und Industrialisierung Anatoliens aus der Sicht junger Künstler«

Das Staatliche Museum für Porzellan, Hohenberg a. d. Eger, Selb – kurz: Porzellanikon – stellt zum Thema Industralisierung aus. Parallel ist ein Katalog erschienen, dessen Texte Nevfel Cumart lektoriert und übersetzt hat; er heißt wie die Ausstellung »Arbeitswelt und Industrialisierung Anatoliens aus der Sicht junger Künstler«.

In Selb, wo vor über hundert Jahren rauchende Schlote der Porzellanindustrie das Stadtleben prägten, beengte Lebensverhältnisse und gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen, (…) das aber zu einem beschaulichen Städtchen mit großer Affinität zur Kunst geworden ist (wie Ausstellungskurator Wolfgang Schilling es beschreibt) – in diesem Ort der frühen deutschen Industralisierung also werden Werke junger türkischer Maler ausgestellt, die sich mit demselben Thema am Beispiel ihrer Heimat auseinandersetzen, dem Schwellenland Türkei, das sich seit etwa 30 Jahren in einem durch Industrialisierung geprägten Umbruch befindet (Schilling).

Wolfgang Schilling betont die Einzigartigkeit dieser Ausstellung: Bisher ist in Deutschland noch nie die Türkei unter diesem Blickwinkel betrachtet worden. Die Gemälde eröffnen dem Betrachter den Blick für all die Kulturschocks und Erschütterungen, die die Industrialisierung mit sich bringt. Sie wurde vom Porzellanikon zusammen mit einigen anderen Museen entwickelt; das LVR-Industriemuseum Solingen präsentiert auf seiner Website dazu einige der ausgestellten Bilder.

Der Ausstellungskatalog ist beim Porzellanikon auf Nachfrage erhältlich.

 

Nevfel Cumart Künstler des Monats

Nevfel Cumart und Andreas Starke
Nevfel Cumart und Oberbürgermeister Andreas Starke

Das Forum Kultur der Metropolregion Nürnberg wählt seit Mai 2010 allmonatlich den »Künstler des Monats«, um die künstlerisch-kreative Potenz der Metropolregion öffentlich sichtbar zu machen. Voraussetzung für die Wahl sind nicht akademische, künstlerische Biografien, auch nicht internationale Erfolge oder Preise, sondern der Beitrag zum kreativen Profil der Metropolregion als Heimat für Kreative.

Nevfel Cumart und Andreas Starke
Nevfel Cumart und OB Starke

Im Februar nun konnte Nevfel Cumart die Auszeichnung entgegennehmen. Um die Verleihung gebührend zu würdigen, gab Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke am 26.2. im Rokoko-Saal der Stadt einen Empfang mit geladenen Gästen, hielt eine Laudatio und überreichte dem Dichter und Brückenbauer seine Urkunde. Vorab berichteten die »Nürnberger Nachrichten« (PDF) und der »Fränkische Tag« (PDF) über die Auszeichnung; auch auf den Websites der Stadt Bamberg und der Metropolregion wurde berichtet.

 

Nevfel Cumart ist »Artist for Refugees«

Portait Nevfel Cumart
Nevfel Cumart

Artists for Refugees versteht sich als eine Plattform, über die Künstlerinnen und Künstler Spendengelder zur Unterstützung von Geflüchteten generieren. In erster Linie kommt dieses Geld traumatisierten geflüchteten Kindern und Jugendlichen zugute, denen eine gute therapeutische Betreuung ermöglicht werden soll.

Nun gehört auch Nevfel Cumart zu diesen Künstlern, der sein Engagement für Artists for Refugees so begründet: Ich finde das Projekt gut und habe damit die Möglichkeit, auch ›auf Umwegen‹ zu helfen. Wer in seinem Namen spendet, bekommt – je nach Höhe der Spende – einen handsignierten Gedichtband (€ 15), ein auf Leinenpapier handgeschriebenes Gedicht (€ 50) oder gar eine komplette Lesung (€ 400) als Dankeschön. Die genauen Bedingungen finden sich hier auf der Website von Artists for Refugees, mehr über das Projekt steht hier.

 

Schüler präsentieren ihr Werk

Der erste Schultag im neuen Jahr war für rund achtzig Jugendliche aus fünf bayerischen Gymnasien ein ganz besonderes Datum. Statt im Klassenzimmer zu lernen, machten sie sich auf den Weg ins Kultusministerium. Dort stellten sie zusammen mit »ihrem« Herausgeber Nevfel Cumart ihren Band »Die Worte aber bleiben« vor.

Nefvel Cumart mit Schülern und Lehrern des Dr-Johanna-Decker-Gymnasiums Amberg
Nefvel Cumart mit Schülern und Lehrern des Dr-Johanna-Decker-Gymnasiums Amberg

Anwesend waren auch die Schulleiter und einige Lehrer der beteiligten Schulen (im Bild links: das Dr.-Johanna-Decker-Gymnasium, Amberg) sowie zahlreiche geladene Gäste.

Nefvel Cumart
Nefvel Cumart

Einleitend machte Nevfel Cumart die Zuhörer mit dem Projekt vertraut und fasste Nutzen, Ziele und Vorteile des kreativen Schreibens zusammen. Anschließend moderierte er die Vorträge der Jugendlichen: Von jeder beteiligten Schule präsentierten jeweils drei junge Schreiber ihre Texte. Beim anschließenden Büffet stärkten sich die jungen Literaten und ihr Publikum vor der Heimreise.

Das Kultusministerium berichtete anschließend ausführlich auf seiner Website und in einer Pressemitteilung (PDF) über die Veranstaltung.

Finanziert wurde das Projekt »Die Worte aber bleiben« wieder von der Stiftung art131, die bereits früher mit Nevfel Cumart ähnliche Projekte an Mittel- und Realschulen bzw. an beruflichen Schulen veranstaltet hatte. 2008 ging daraus das Buch »Die Farben der Fremde« hervor, 2011 wurden die Schülertexte unter dem Titel »Strandgut« veröffentlicht.

 

Jetzt neu: »Feuerzunge« und »Wüstenakazie«

Buchcover: »Feuerzunge«
Buchcover: »Wüstenakazie«

Gleich zwei neue Bücher stellte Nevfel Cumart bei einer Doppelpremiere in der Bamberger Buchhandlung Hübscher vor. Er las aus »Feuerzunge«, seinem siebzehnten Gedichtband, der mit großer thematischer Vielfalt von biografischen Einblicken in ein Leben in zwei Kulturen über gesellschaftlich-politische Texte bis zu mystischen Liebesgedichten einen Bogen spannt zwischen Orient und Okzident – und aus »Wüstenakazie«, einer Sammlung von Gedichten des Vaters Cumart für seine Tochter Amelia.

Die Buchhandlung hatte die Lesung zuvor mit einem Flyer (PDF) angekündigt, beide Werke sind dort im Handel ebenso erhältlich wie im Hübscher-Onlineshop und beim Verlag.

 

Die Worte aber bleiben

Buchcover: »Die Worte aber bleiben«

Erneut leitete Nevfel Cumart mehrere kreative Schreibwerkstätten, diesmal jeweils für zwei Tage an fünf verschiedenen bayerischen Gymnasien. Jugendliche aus den zehnten und elften Jahrgangsstufen verfassten dabei eigene Texte, von denen Cumart jetzt eine repräsentative Auswahl als Anthologie herausgibt.

»Die Worte aber bleiben« heißt sie, die literarischen Formen reichen von der aphoristischen Miniatur über Geschichten in klassischer Erzählweise bis zu experimentellen Texten in englischer Sprache, und auch thematisch spannt sich ein weiter Bogen von persönlichen Gefühlen und Hoffnungen über Lebenserfahrungen bis zu Gedanken über die Welt als Ganzes.

Wie schon in vorangegangenen, ähnlichen Sammlungen beeindruckt wieder einmal das schöpferische Potential, das junge Menschen unter gezielter Anleitung und Förderung zu entfalten vermögen, und wieder einmal bewegen die eindringlichen Worte, mit denen sie ihre Lebenswelten, ihr Denken und Empfinden zu Papier gebracht haben.

Die Jugendlichen sind Schüler des Dr.-Johanna-Decker-Gymnasiums in Amberg, des Holbein-Gymnasiums in Augsburg, des Clavius-Gymnasiums in Bamberg, vom Reuchlin-Gymnasium in Ingolstadt und dem Pirckheimer-Gymnasium in Nürnberg. Gefördert wurden die Werkstätten vom Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst sowie der »stiftung für künstlerisch-kulturelle bildung« art131; die Anthologie ist in der edition hübscher erschienen.

 

ECHT Oberfranken – ECHT Cumart

Das Magazin »ECHT Oberfranken« hat ein ausführliches und alles andere als oberflächliches Porträt Nevfel Cumarts veröffentlicht. »ECHT Oberfranken« erscheint sechsmal im Jahr und erreicht um die 150 000 Leser, die in der aktuellen Ausgabe nun echt Cumart’sche Sätze lesen können wie Wichtig ist nicht, Türke oder Deutscher zu sein, sondern menschlich und höflich, Es geht hier auch um die Frage: wie viel Fremdheit sind wir bereit zu ertragen oder auch Heute bin ich vom Entweder-oder zum Sowohl-als-auch gekommen. Damit bin ich sehr zufrieden.

Der Bericht wird ergänzt um Zusatzinformationen zur Situation von Einwanderern in Deutschland und bereichert durch zwei Originalgedichte von Nevfel Cumart.

Wer nicht die Gelegenheit hat, sich selbst eine Ausgabe von »ECHT Oberfranken« Nr. 27 zu besorgen, kann das Magazin direkt auf dessen Website online lesen (Login erforderlich); der Ausschnitt über Nevfel Cumart steht auch hier als PDF zur Verfügung.

 

Nevfel Cumart im Wortlaut

Buchcover: Wortlaut 20

Herausgegeben vom Nürnberger Literaturzentrum Nord, KUNO e. V., erscheint einmal jährlich das Literaturmagazin »Wortlaut«, das laut Eigendarstellung »neue Texte von bekannten und weniger bekannten Autor/innen mit regionalem Bezug« präsentiert. Diesmal baten die Herausgeber neben anderen auch Nevfel Cumart um eine Auswahl seiner Gedichte.

Die Nürnberger Nachrichten veröffentlichten jetzt einen Bericht über die neue Ausgabe (hier als PDF). Bereits am 16. August erschien »Wortlaut 20« mit den Texten Cumarts; das Magazin kann direkt beim Verein (auch online) bestellt werden. Es umfasst 140 Seiten und kostet € 4,00.

 

Nevfel Cumart fördert die »Sprachlandschaft Hagen«

Zum vierten Mal fand die Hagener Bildungskonferenz statt, diesmal mit dem Titel »Sprachlandschaft Hagen«. Deren Moderator Dr. Rolf L. Willaredt hob zu Beginn die Besonderheit der Region hervor: Nicht wenige der Einwohner sind mehrsprachig, weil diese nicht nur ihre Muttersprache sprechen, sondern auch noch mindestens eine Fremdsprache. Das gilt für hier Geborene ebenso wie für Zugewanderte (…) Die Sprachvielfalt ist eine Ressource, die wir zutage fördern und nützen müssen.

Nevfel Cumart bei der »Sprachlandschaft Hagen«
Nevfel Cumart bei der »Sprachlandschaft Hagen«

Zu diesem Zweck wurden zahlreiche Workshops angeboten mit Themen von »Mehrsprachigkeit als Ressource« bis »Sprechen ohne Worte«. Nevfel Cumart leitete den Workshop »Kreatives Schreiben in autobiografischen Texten«, in dem er die Teilnehmer motivierte und anleitete, aus unserem Leben zwischen Inklusion, Migration und interkulturellen Einflüssen zu schreiben.

Angeregt durch die Erfahrungen mit dem Workshop plant die Stadt Hagen, Lehrkräften das Potenzial, die Methoden und die Möglichkeiten des Kreativen Schreibens näherzubringen. Es muss mehr Raum im Unterricht für das Kreative Schreiben eingerichtet werden.

Material zu der Veranstaltung findet sich in der PDF-Dokumentation des Bildungsnetzwerks Hagen.

 

Bundesverdienstkreuz für Nevfel Cumart

Porträt Joachim Gauck, Nevfel Cumart
Bundespräsident Joachim Gauck und Nevfel Cumart

Am 10. Juli 2014 war Nevfel Cumart zu Gast im Schloss Bellevue. Der Bundespräsident verlieh dem Dichter und Brückenbauer das Bundesverdienstkreuz am Bande. In der Begründung heißt es unter anderem: Nevfel Cumart hat sich (…) durch seine Arbeit und sein ehrenamtliches Engagement in unterschiedlichen Projekten in herausragender Weise um die Integration von Zugewanderten und ein gutes Miteinander in unserer Gesellschaft verdient gemacht.

Gewürdigt wurden mit der Auszeichnung die Gedichte Cumarts, die sich »mit der Vermittlung zwischen den Welten auseinandersetzen und europaweit Eingang in Schulbücher gefunden haben«, ebenso wie sein Engagement an Schulen und in Vorträgen und Seminaren »über verschiedene Aspekte der türkischen Gesellschaft und Kultur, die Lebenssituation der Migranten in Deutschland sowie über die Religion des Islams« und seine Übersetzungen von Werken türkischer Autoren und Büchern zu islamkundlichen Themen.

Für all diese unterschiedlichen Aktivitäten im Sinne der Verständigung wurde ihm nun am vergangenen Donnerstag von Bundespräsident Joachim Gauck persönlich das Bundesverdienstkreuz am Bande überreicht.

 

»Du bist wichtig«

Du bist wichtig (Flyer)

Gleich zweimal, im März und Juni 2014, leitete Nevfel Cumart in seiner »alten Heimat« Stade mehrere Schreibwerkstätten. »Zielgruppen« waren einerseits Mädchen mit Migrationshintergrund von der Integrierten Gesamtschule Stade (IGS), andererseits Frauen mit Migrationshintergrund aus verschiedenen Stader Stadtteilen. Die Werkstätten waren eingebettet in die Veranstaltung »Du bist wichtig«, ein einjähriges Modellprojekt der Stadt, das zahlreiche unterschiedliche Angebote versammelt und im Februar 2014 begann.

Herzstück dieses Projekts waren die Schreibwerkstätten; anlässlich des »Bergfestes«, also nach Ablauf der Hälfte der geplanten Projektdauer, wurden am 21. Juni einige der entstandenen Texte vorgestellt. Die Schirmherrin, Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt, und die Besucherinnen und Besucher zeigten sich allesamt berührt und beeindruckt von den Werken der »Nachwuchsautorinnen«. Von Texten wie dem der 15-jährigen Farhana: Ich lebte in Pakistan und mein Leben war die Hölle. Ich war mal so sechs Jahre alt, bevor ich nach Deutschland kam. Ich war klein und musste mit ansehen, wie meine Mutter fast von meinen Verwandten umgebracht wird. Ich selbst muss heulen, wenn ich schon daran denke, wie die Zeit für mich schlimm war und für meine Brüder (…) Ich möchte mal so richtig was machen, ich gehe nicht umsonst zur Schule. Ich will nicht wie im Mittelalter leben, sondern etwas schaffen.

Das Stader Tagblatt begleitete die Veranstaltung, schrieb einen Bericht über die Veranstaltung (PDF) und veröffentlichte einige der vorgetragenen Texte (PDF).

 

Neue Veröffentlichung: »Zusammen und doch allein«

Buchcover: »Zusammen und doch allein«

»Über Länder, Grenzen und Sprachen hinweg« lautete das Motto einer kreativen Schreibwerkstatt, die Nevfel Cumart kürzlich an drei Hagener Schulen leitete. Etwa fünfzig Jugendliche widmeten sich unterschiedlichen Themen und Textformen, von Gedichten über Empfindungen bis zu längeren Erzählungen über Lebenswege junger Menschen.

Eine repräsentative Auswahl dieser Texte ist nun als Sammelband erschienen: »Zusammen und doch allein« lautet der Titel der von Cumart herausgegebenen Anthologie mit dem Untertitel »Hagener Jugendliche schreiben über Gefühle, Freundschaft, Schicksale und das Leben.« Gefördert vom Jugendprojekt Kulturrucksack NRW, ist das Buch in der edition hübscher erschienen.

 

Neue Veröffentlichung: »Jeder ist im Herzen Mensch«

Hagener Schülerinnen und Schüler schreiben über Heimat, Familie und das Leben in Deutschland
Buchcover: »Jeder ist im Herzen Mensch«

An drei Schulen im nordrhein-westfälischen Hagen führte Nevfel Cumart interkulturelle Schreibwerkstätten durch. Das Ergebnis ist nun als Buch erschienen. Werke von Schülern der Hauptschule Altenhagen, der Hauptschule Remberg und der Luise-Rehling-Realschule Hagen sind unter dem Titel »Jeder ist im Herzen Mensch« versammelt; gefördert wurde das Projekt vom Lions Club Hagen-Westfalen, koordiniert vom Kommunalen Integrationszentrum Hagen.

An jeweils zwei Tagen brachte Cumart den Schülern ihre dichterische Kreativität nahe. Identifikationskonflikte, Heimat und Heimatgefühle, Familie und das Leben in Deutschland waren zentrale Themen, die vielen Schülern mit nichtdeutscher Herkunft merklich unter die Haut gingen.

Der Gedichtband »Jeder ist im Herzen Mensch« ist in der edition hübscher erschienen.

 

Nevfel Cumart neuer Autor des Türkei-Portals alaturka.info

Schon fast ein Jahrzehnt lang berichtet das Online-Portal alaturka.info aus der Türkei, informiert über Reisen und Reiseziele, über Sehenswürdigkeiten, türkische Geschichte, Kulinarisches, Immobilien, Gesundheit … und natürlich auch Kulturelles. Neuerdings schreibt Nevfel Cumart dort Rezensionen über wichtige Bücher türkischer Autoren (zum Beispiel das Frühwerk des türkischen Nobelpreisträgers Orhan Pamuk) und andere Beiträge zu türkeirelevanten Themen

Nun ist er auch »offiziell« bei alaturka.info angekommen; kürzlich veröffentlichte die Redaktion ein Porträt des Bambergers.

Auch in Zukunft wird Nevfel Cumart für alaturka.info schreiben; geplant sind beispielsweise Artikel über islamische Mystik.

 

Cumart wieder 1. Vorsitzender der NGL

Buchcover: »Windschatten der Stimmen«

Die Neue Gesellschaft für Literatur Erlangen (NGL) hat einen neuen, alten Vorsitzenden: Bei der Jahreshauptversammlung am 17. November 2013 stimmten ihre Mitglieder dafür, dass Nevfel Cumart für eine weitere Amtszeit von zwei Jahren deren 1. Vorsitzender bleibt. Er steht der Gesellschaft schon seit 2006 in dieser Funktion zur Verfügung.

Die NGL wurde im Juni 1976 gegründet und verstand sich zunächst als »Freundeskreis für Literatur« in Erlangen. Kern der NGL-Aktivitäten waren von Anfang an die Werkstattgespräche, bei denen die Vorstellung zumeist unveröffentlichter Texte aus den Reihen der Mitglieder (und gelegentlich auch von Gästen) mit einem anschließenden Gespräch und einem Gedankenaustausch im Vordergrund stehen. Aber auch die Organisation von literarischen Veranstaltungen, die Publikation von Anthologien und der Schriftstelleraustausch – insbesondere mit osteuropäischen Ländern – gehören zu den Aktivitäten der NGL.

Zuletzt trat die NGL mit einer Anthologie fränkischer Autorinnen und Autoren (»Windschatten der Stimmen«) verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Nähere Information über die literarische Gesellschaft findet sich auf deren Website ngl-erlangen.de.

 

Veröffentlichung in neuer Lyriksammlung

Buchcover: »Mir gegenüber eins«

Karin Frantz-Semmelroch, Verlegerin aus Kulmbach, hat eine Reihe von Autorinnen und Autoren um Beiträge für eine liebevoll und aufwendig gestaltete Anthologie gebeten, der sie den Titel »Mir gegenüber eins – Literarische Facetten einer Region« gab. Nevfel Cumart steuerte zwei Gedichte bei, in denen er den Begriff »Heimat« aus zwei unterschiedlichen Perspektiven lyrisch beleuchtet …

Gedicht Nummer eins trägt den Titel »ankommen« und ist hier als PDF zu lesen, das zweite heißt »heimat nicht« und ist hier als PDF verlinkt. »Mir gegenüber eins – Literarische Facetten einer Region« kann beim Verlag Semmelroch bestellt werden.

 

»Ein Herz für Franken«

Kolumnensammlung jetzt auch als Buch erschienen
Buchcover: »Ein Herz für Franken«

Auf Einladung von Steffen Radlmaier, Feuilletonchef der Nürnberger Nachrichten, verfasste Nevfel Cumart einen Beitrag zu der beliebten Kolumne, eine kurze literarische Liebeserklärung an seine fränkische Wahl-Heimat. In seinem Text beschreibt er einen Kulturschock der besonderen Art und seine Begegnung mit der »Bierkeller-Kultur« in Bamberg …

Den Text gibt es als PDF hier zu lesen, das Buch kann hier bestellt werden.

 

Cumart geht an Bord der Kogge

Logo: Die Kogge

Die Nominierung stammte vom 1. Vorsitzenden Prof. Uli Rothfuss: Nevfel Cumart wurde im September 2013 bei der Jahrestagung der Europäischen Autorenvereinigung DIE KOGGE von deren Mitglieder einstimmig in ihre Mitte aufgenommen.

DIE KOGGE, 1923 ursprünglich als »zwangloser literarischer Kreis« niederdeutscher Autoren gegründet, ist ein Zusammenschluss von Schriftstellern, Dichtern, Essayisten und Übersetzern aus zahlreichen europäischen Ländern. Ihr Anliegen ist es, den Grenzen überschreitenden literarischen Austausch zu fördern – und so einen Beitrag zu leisten, dass Europa konkret wird.

Die jährlichen Tagungen der KOGGE finden immer im Herbst in der alten Hansestadt Minden statt.

Weitere Information über diese traditionsreiche Autorenvereinigung finden sich auf deren Website diekogge.com.

 

TV-Porträt bei SAT.1

Nevfel Cumart bei SAT.1 Bayern
Nevfel Cumart bei SAT.1

Am 26. Februar zeigte der Sender SAT.1 BAYERN ein Porträt Nevfel Cumarts, mit Schwerpunkt auf seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Der Beitrag kann im SAT1-Archiv online gesehen werden und wird vom Sender so angekündigt:

Der Trend geht zum Zweitjob. Nevfel Cumart aber hat gleich fünf! Er ist Schriftsteller, Übersetzer, Journalist, Referent und Lehrer in einer Person. Seine Themen: Völkerverständigung, Heimat, Integration. Dazu geht der Bamberger mit türkischen Wurzeln auch regelmäßig zu den Schülern in den Unterricht.

Und weiter heißt es: Schule mal anders: Die Stimmung ist ausgelassen, die Schüler sind entspannt. Und Schuld daran ist Nevfel Cumart. Er ist türkischstämmiger Schriftsteller aus Bamberg. Sein Ziel ist es, den Jugendlichen Literatur näherzubringen.

 

»Von Respekt und Gehorsam«

Über Erziehungsstrukturen in türkischen Familien

Am 17. Januar 2013 sprach Nevfel Cumart im Rathaus Wertheim auf einer Weiterbildungsveranstaltung für Erzieherinnen und Erzieher. Ihr Thema: die »interkulturelle Kompetenz«.

Einen besonderen Schwerpunkt legte der Islamexperte auf den Ehrbegriff in türkischen Familien. Nach seinem freien und anschaulichen Vortrag stellten die Erziehungsprofis dem Kulturvermittler Cumart zahlreiche Fragen aus ihrem Berufsalltag, so dass der Abend alles andere als eine trockene Pflichtveranstaltung wurde.

Zusätzliche Einblicke in die Veranstaltung erlaubt ein Artikel aus den Fränkischen Nachrichten, der im Anschluss an den Abend erschien und hier als PDF-Download bereitsteht.

 

Interview mit »Lehrerinfo«

Porträt Nevfel Cumart
Nevfel Cumart

Die Zeitschrift »Lehrerinfo« hat in ihrer jüngsten Ausgabe ein ausführliches Interview mit Nevfel Cumart abgedruckt. Darin geht es, natürlich mit einem deutlichen Fokus auf Kinder- und Jugendarbeit, vor allem um Begriffe wie »Heimat«, »Identität« und »Integration«. (Sobald die Menschen merken, dass ich türkischer Herkunft bin, geschehen drei Dinge: Sie reden Tarzandeutsch, sie duzen mich und sie reden laut.)

Die Zeitschrift kann online gelesen werden; das Interview steht auf den Seiten 18/19.

 

Neue Veröffentlichungen

Buchcover: »Unter den Flügeln der Nacht«
Buchcover: »Windschatten der Stimmen«

Kürzlich sind gleich zwei neue Bände von Nevfel Cumart erschienen: einmal der eigene Gedichtband »Unter den Flügeln der Nacht», und außerdem die Anthologie »Windschatten der Stimmen«, in der Nevfel Cumart Lyrik und Prosa von 32 Autorinnen und Autoren aus der fränkischen Region versammelt.

 

»I can’t live without poems, so I have to write them!«

Dieser Satz stammt von Nevfel Cumarts Lesereise durch Irland. Auf Einladung des Goethe-Instituts besuchte der Autor das Land vom 26. November bis zum 2. Dezember 2012. Auf der Reiseroute lagen Trim, Cork, Ballincollig, Galway, Ballinasloe – und natürlich auch Dublin. Am dortigen DIT (Dublin Institut of Technology) und der DCU (Dublin City University) hatte Cumart bereits bei vergangenen Gelegenheiten gelesen und freute sich auf das Wiedersehen.

Das irische Goethe-Institut hatte für die Veranstaltungen an verschiedenen Schulen extra Unterrichtseinheiten erstellt. Dementsprechend gut vorbereitet, fragten die deutschlernenden Jugendlichen dem Dichter bald Löcher in den Bauch, wie Goethe-Mitarbeiterin Simone Klein zu erzählen weiß:

Anfangs etwas scheu, trauen sich schließlich mehr und mehr Schüler, ihn nach seinem Leben und seinen Gedichten zu fragen: ›Warum wurden Sie Schriftsteller?‹, ›Welche Sprache spricht Ihre Tochter?‹ oder ›In welcher Sprache haben Sie Ihre Gedichte geschrieben?‹ Mit jeder Frage scheint mehr Interesse aufzukommen, und so lernen die Schüler immer mehr über Nevfels privates Leben. Etwa, dass er bereits seit 31 Jahren schreibt und in dieser Zeit rund 1600 Gedichte entstanden sind.

Insgesamt zehn Stationen hatte die Irlandreise – verteilt auf gerade mal sieben Tage ein üppiges Programm; dank zahlreicher interessanter, bewegender und fröhlicher Begegnungen verging die Woche dennoch wie im Fluge.

Nevfel Cumart in Irland
 
Nevfel Cumart in Irland
 
Nevfel Cumart in Irland
 

 

Für Interessierte als PDF-Downloads:

 

»Fremde Heimat« Almanya

Lesung und Gespräch an der Uni Erlangen-Nürnberg
Nevfel Cumart - Friedrich-Alexander-Universität Erlangen

Die Friedrich-Alexander-Universität bekennt sich zur Vielfalt – und hat dies auch zum Thema einer Ringvorlesung gemacht. Deren Eröffnung am 30. Oktober 2012 bestritt Nevfel Cumart mit einer anderthalbstündigen Veranstaltung, einer Kombination aus Lesung und Gespräch.

Universität lebt Diversität – Chancen und Herausforderungen von Diversity Management lautete die Überschrift der Veranstaltungsreihe, was die Universität näher erläuterte: Zukünftig sind neben Gender und familiären Betreuungsaufgaben weitere Diversitätskategorien wie z.B. Migrationshintergrund, soziale Herkunft, Alter, Behinderung, sexuelle Orientierung für die Universität zentral und sollen auf allen Ebenen der Universitätsentwicklung berücksichtigt werden.

Nevfel Cumart trug Gedichte aus verschiedenen seiner Werke vor und präsentierte dabei ein weites literarisches Spektrum, von biographisch geprägten Texte über orientalisch angehauchte Liebespoesie und gesellschaftlich-politische Gedichte bis zu humorvollen Momentaufnahmen aus einem Leben in verschiedenen Kulturen. Anschließend berichtete Cumart von seiner Arbeit mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund an Schulen und legte dabei besonderes Augenmerk auf das Thema »Bildung und Bildungschancen von Migranten«.

Das vollständige Video zur Veranstaltung steht auf der Website der Uni zum Anschauen und auch zum Download bereit. Der Flyer zur Ringvorlesung kann hier als PDF heruntergeladen werden.

 

»Über Länder, Grenzen und Sprachen hinweg«

Nevfel Cumart in Dänemark
Nevfel Cumart in Dänemark
Nevfel Cumart mit dänischen Schülerinnen

Das Goethe-Institut in Kopenhagen hatte eingeladen: Insgesamt zehn dänische Schulen bereiste Nevfel Cumart im Jahre 2012; zuletzt im Oktober. Anlässlich seines bereits dritten Besuchs bei den nördlichen Nachbarn machte er unter anderem in Thisted, Kopenhagen, Kolding und Bronshoj halt.

Nevfel Cumart in Dänemark
Nevfel Cumart mit dänischen Schülerinnen

An den Vormittagen veranstaltete er – natürlich in deutscher Sprache – kreative Schreibwerkstätten für Schüler, nachmittags waren die Lehreinnen und Lehrer unter dem Motto »Fortbildungsseminar zum kreativen Schreiben« gefragt.

Die Veranstaltungen standen jeweils unter der Überschrift »Über Länder, Grenzen und Sprachen hinweg«, beschäftigten sich vorwiegend mit dem Thema der interkulturellen Begegnung und fanden zwischen dem 21. und 26. Oktober statt.

 

Poetikprofessor Cumart

Im Frühjahr 2012 erfuhr Nevfel Cumart Hochschulweihen: Die Universität Innsbruck verlieh ihm eine Poetik-Professur für das Sommersemester. Sie begann im Mai mit einer Auftaktvorlesung, beinhaltete die Durchführung eines Seminars, zahlreiche Veranstaltungen an verschiedenen Schulen, den Besuch eines Germanistikseminars mit Lesung und Gespräch und einiges mehr.

Das Literaturhaus am Inn organisierte die – öffentliche – Vorlesung, kündigte sie auf seiner Website an und platzierte Plakate überall in Innsbruck. Wer nicht dabei war, hat die Gelegenheit, an dieser Stelle eine – leicht gekürzte – Fassung der Vorlesung als PDF zu lesen oder herunterzuladen.

Beim wenig später anschließenden Seminar leitete Nevfel Cumart die Studierenden beim Schreiben eigener Gedichte an. Einige Ergebnisse dieses Poetik-Workshops veröffentlichte später das Studierendenmagazin KAKTUS.

 

»Türkische Kindheiten«

Nevfel Cumart übersetzt Zekeriya Sertel
Buchcover: »Türkische Kindheiten«

Unter dem Titel »Woran ich mich erinnere« (Hatırladıklarım) schrieb der türkische Oppositionelle 1977 seine Autobiographie. Heute, 35 Jahre später, finden sich Teile des Textes in einer engagierten Anthologie wieder – ins Deutsche übertragen von Nevfel Cumart.

Portait Zekeriya Sertel
Photo Zekeriya Sertel: Wikipedia.

Kindheitserinnerungen herausragender türkischer Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Politik – das ist die Idee des Buches »Türkische Kindheiten«; eine spannende Idee, wie der renommierte Turkologe und Orientalist Klaus Kreiser in seinem Vorwort umreißt: »Wenn türkische Autoren und Autorinnen auf ihre Kindheit und Jugend vor der Gründung der neuen Türkei zurückblicken, erzählen sie von einer Welt, die stärkere Umbrüche erfahren hat als die meisten Teile Südosteuropas und des Nahen Ostens.«

Das gilt auch für das Leben Zekeriya Sertels, dessen Erinnerungen das Buch um eine starke Stimme bereichern. Zekeriya Sertel (1890 – 1980) war ein herausragender kritischer Journalist und Zeitungsherausgeber, der auch Oppositionsblätter und linksgerichtete Zeitschriften veröffentlichte. Er wurde wegen seiner politischen Ansichten mehrfach verhaftet.

»Türkische Kindheiten« ist im Verlag Literaturca erschienen; Details und eine Bestellmöglichkeit finden sich hier.

 

»Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage«:

Diesen Titel darf jetzt das Bamberger Clavius-Gymnasium führen. Am 27. Juli 2012 wurde die Schule offiziell in das »Projekt von und für SchülerInnen« mit aufgenommen. Nevfel Cumart übernahm die Patenschaft, weil, wie er selbst erklärt, »ich wegen meiner türkischen Herkunft schon seit der Kindheit mit Rassismus konfrontiert worden bin und mich stets dagegen eingesetzt habe.«

Foto: Stefan Dassler (stefan-dassler.de) via Wikipedia

Der Schulleiter des Clavius-Gymnasium, OStD Wolfgang Funk, betonte bei der feierlichen Übergabe der Urkunde, die gesamte Schülerschaft habe sich für den Lyriker Cumart als Paten entschieden; er freue sich über diese Wahl und dass Cumart die Patenschaft übernommen habe – zumal der Dichter schon 1994 erstmals eine Lesung am Clavius-Gymnasium gehalten habe und seitdem schon mehrfach an der Schule zu Gast gewesen sei.

»Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (…) bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten, in dem sie sich bewusst gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden«, heißt es auf der Website des Projekts.

 

Beitrag in »villigst public«

In den neunziger Jahren war Nevfel Cumart Stipendiat und regelmäßiger Gast des Evangelischen Studienwerks Villigst, das ihm auch mehrere Auslands- und Forschungsaufenthalte finanzierte. Als Dank für die große Unterstützung engagierte sich Cumart aktiv vor Ort, in studentischen Gremien und als Mitglied im Vorstand, Haushaltsausschuß und Kuratorium. Bis zu achtzig Tage pro Jahr verbrachte er in Villigst.

Die aktuelle Ausgabe des Magazin »villigst public« erinnert an den Dichter, Dozent und Brückenbauer mit einem Artikel, in dem es Nevfel Cumart zu Wort kommen lässt. Villigst, so schreibt Cumart dort, war damals »mein zweites Zuhause«.

Den ganzen Artikel können Sie als PDF hier lesen; wer sich weitergehend für die Arbeit des Evangelischen Studienwerks Villigst interessiert, mag vielleicht dessen Website besuchen.

 

»Meine Eltern haben gar keine Schule besucht!«

Nevfel Cumart schreibt Vorwort zu Wettbewerbsband
Buchcover: »Freundschaft«

Mit einem alle zwei Jahre stattfindenden Schreibwettbewerb sollen die Schüler der oberpfälzischen Berufsschulen zu einem kreativen Umgang mit der Sprache ermuntert werden. Die sechste Ausgabe des Wettbewerbs fand am 16. Mai 2012 ihren Abschluss mit einer Siegerehrung im Beruflichen Schulzentrum Oskar-von-Miller in Schwandorf; parallel erschien ein Sammelband mit den Arbeiten der Berufsschüler. Das Thema in diesem Jahr: »Freundschaft«.

Schreibwettbewerb: Siegerpokal

Schülerinnen und Schüler aus zwölf Beruflichen und zwei Wirtschaftsschulen setzten sich mit dem Wettbewerbsthema auseinander. Ihre Gedanken brachten sie als Erzählungen, Gedichte und in vielen anderen Stilrichtungen zu Papier. Die Veröffentlichung ihrer gesammelten Werke wird eingeleitet von einem Vorwort Nevfel Cumarts mit dem Titel »Von innerer Stimme und dem Blick auf die Welt«, in dem er nicht nur von seinen eigenen ersten Schritten ins Dichterleben berichtet, sondern auch das Thema der Freundschaft in der Literaturgeschichte beleuchtet. Das gesamte Vorwort kann hier als PDF gelesen und heruntergeladen werden.

Initiiert wird der Schreibwettbewerb von der Regierung der Oberpfalz. Organisiert wird er abwechselnd von den teilnehmenden Schulen; in diesem Jahr war das Berufliche Schulzentrum in Schwandorf an der Reihe.

 

Vorwort zum Fotoband »Fränkische Ansichten«

Buchcover: Cella Seven - »Fränkische Ansichten«

Cella Seven schlägt mit seinen Porträtaufnahmen eine Brücke zwischen Anatolien, der Heimat seiner Eltern, und Oberfranken, der Heimat seiner Kinder. Dies schreibt Nevfel Cumart im Vorwort zum Buch »Fränkische Ansichten«, das Cella Seven, Fotograf und Bruder im Geiste Cumarts, im November 2011 veröffentlichte. Bei der Buchvorstellung am 10.12.2011 im Café Kellerhaus in Pommersfelden hielt Nevfel Cumart eine Laudatio.

Portraitphoto Cella Seven

In seinem Vorwort geht Cumart auch auf die Lebensgeschichte des Freundes ein, die seiner eigenen nicht ganz unähnlich ist: In Cingeli, einem abgelegenen Dorf nordöstlich von Ankara, verbrachte Cella die ersten zehn Jahre nach seiner Geburt 1962. Der Vater, der bereits 1964 zum Arbeiten nach Bamberg gekommen war, holte schließlich 1972 seine Frau und die fünf Kinder aus Zentralanatolien nach Schlüsselfeld.

Portraitphoto Cella Seven

Und er findet weitere Parallelen: Sein eigener Vater Elektro-Schweißer, Cellas Vater Maurer, haben sich beide Söhne im Laufe ihres Lebens in Deutschland zu einer öffentlichen Stimme der türkischstämmigen Bevölkerung entwickelt; mit ihren Wurzeln im einfachen Leben der türkischen Landbevölkerung und einer fundierten Ausbildung in Deutschland sind sie zu Vermittlern zwischen den Welten geworden. Beispielhaft für viele, wie Cumart in seinem Vorwort ausführt: Die Türken können hierzulande stolz auf Fußballer und Schauspieler, Schriftsteller und Dirigenten, Regisseure, Musiker und sogar Politiker und viele andere mehr blicken. Sie haben auch Fotografen hervorgebracht. Darunter sogar einen ausgesprochen guten. Er heißt Cella Seven und ist mittlerweile ein anatolischer Oberfranke mit Leib und Seele.

Das Buch »Fränkische Ansichten — Ein außergewöhnlicher Fotoband über Franken« (Fotografie: Cella Seven, Text: Tasso Beuschel, mit einem Vorwort von Nevfel Cumart) ist erschienen in der »Edition Hübscher« und kann für € 24,90 auch direkt beim Verlag geordert werden. Eine lesenswerte Besprechung des Buches findet sich auf nordbayern.de. Wer weitere Bilder von Cella Seven sehen möchte, mag vielleicht seine Website besuchen. Und Nevfel Cumarts Laudatio ist hier als PDF-Download nachzulesen.

 

Neue Veröffentlichung: »Strandgut«

Buchcover: »Strandgut«

Schülerinnen und Schüler an Beruflichen Schulen schreiben über ihr Leben, ihre Zukunft und die Welt.

Im Rahmen des Schreibprojektes »Literarische Brücken bauen — Dem Leben entgegen« führte Nevfel Cumart kreative Schreibwerkstätten an fünf verschiedenen Beruflichen Schulen in Bayern durch und betrat damit literarisches Neuland. Ein Projekt dieser Konzeption und Größenordnung ist an Beruflichen Schulen in Bayern bislang einmalig. Die Ergebnisse versammelt das Buch »Strandgut«, über das auch der Bayerische Rundfunk berichtete. Dieser Beitrag kann als MP3 angehört werden.

Bei libri.de kann das Buch online bestellt werden.

 

Nevfel Cumart erhält Pax-Bank-Preis

Nevfel Cumart bei der Verleihung des Pax-Bank-Preises
Nevfel Cumart

Als erster Muslim überhaupt in der Geschichte der Auszeichnung erhält Nevfel Cumart 2011 den Preis der Pax-Bank. Die Auszeichnung kam für den Lyriker sehr überraschend – umso war größer die Freude, zumal auch die Begründung der Jury einige Herzensangelegenheiten Cumarts betonte.

Nevfel Cumart bei der Verleihung des Pax-Bank-Preises
Nevfel Cumart

Heißt es darin doch unter anderem: Als Übersetzer hat er Menschen den Zugang zur türkischen Kultur möglich gemacht. Durch seine Vorträge und Seminare über den Islam und der islamischen Tradition schafft er Räume für eine interreligiöse Begegnung. Durch seine ›Friedensseminare‹ in Schulen und durch seine Schreibseminare öffnet er Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Lebensweisen von Gleichartigen, die von anderen kulturellen und religiösen Lebensweisen geprägt sind.

Am 20. Mai 2011 um 10:45 Uhr wurde der Preis im Maxhaus (Katholisches Stadthaus) in Düsseldorf verliehen; der Grupello-Verleger Bruno Kehrein hielt eine unterhaltsame und bewegende Laudatio, die hier als PDF nachzulesen ist. Anschließend berichteten sowohl der Fränkische Tag, wie auch das »Stader Tageblatt« von der Preisverleihung, beide Artikel sind hier als PDFs verlinkt.

 

Ehrung der Stadt Stade

Nevfel Cumart und Bürgermeister Rieckhoff
Nevfel Cumart, Andreas Rieckhoff

Nevfel Cumart zählt zweifellos zu den Großen dieser Stadt! Mit diesen Worten lud Stades Bürgermeister Andreas Rieckhof am 18. Mai 2010 den Lyriker, Journalisten, Dozenten und Kulturvermittler ein, sich in das Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Nevfel Cumart mit Familie und Bürgermeister Rieckhoff
Nevfel Cumart mit Familie, Andreas Rieckhoff

Das Hamburger Abendblatt schrieb: Der Schriftsteller, der erst nach einer langen Anlaufphase die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt, gilt für die Verantwortlichen der Stadt als ein Paradebeispiel einer gelungenen Integration. Und Bürgermeister Rieckhof fügte hinzu: Es wäre schön, wenn er uns und anderen auch weiterhin als Vorbild dienen kann.

Der Dichter selbst kommentierte die Ehrung mit den Worten: Mich dort eintragen zu dürfen ist für mich schon mehr wert als ein Literaturpreis … und fügte schmunzelnd hinzu: Okay, es kommt natürlich auf den Preis an!

Hier der Beitrag des Hamburger Abenblatts als PDF-Download. Und hier ein Bericht des »Stader Tageblatts« als PDF-Download.

 

Kulturpreis der Oberfrankenstiftung 2009

Preisträger Cumart, Stegauracher Bürgermeister Siegfried Stengel
Nevfel Cumart, Siegfried Stengel

Für sein Engagement, »den Deutschen den Islam und die Türkei zu erklären«, wurde Nevfel Cumart am 29. September mit dem Kulturpreis der Oberfrankenstiftung ausgezeichnet. Er setze sich seit Jahren für ein besseres Verständnis zwischen Deutschen und den hier lebenden Türken ein, heißt es in der Jury-Begründung weiter.

v.l.n.r.: Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günter Dippold, Preisträger Cumart, Regierungspräsident von Oberfranken Wilhelm Wenning
v.l.n.r.: Günter Dippold, Cumart, Wilhelm Wenning

Oberfrankens Regierungspräsident Wilhelm Wenning und der Bürgermeister von Cumarts Heimatgemeinde Stegaurach, Siegfried Stengel, waren unter den Gästen der Preisverleihung, die am 29. September in der Bergbräu in Arzberg stattfand.

Der ebenfalls eingeladene Bezirksheimatpfleger Prof. Dr. Günter Dippold hielt die Laudatio, die hier im PDF nachzulesen ist. Anschließend veröffentlichte die Zeitung Fränkischer Tag ein Interview mit Nevfel Cumart, das ebenfalls hier als PDF downloadbar ist.

 

Kulturpreis Bayern an Nevfel Cumart

Portrait Nevfel Cumart
Nevfel Cumart

30. Oktober 2008: In einer feierlichen Zeremonie wird Nevfel Cumart in der Dreiländerhalle Passau der »Kulturpreis Bayern der E.ON Bayern AG 2008« verliehen. In Partnerschaft mit dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst werden damit Künstler in Bayern für ihr bedeutendes künstlerisches Wirken ausgezeichnet.

Portrait Nevfel Cumart, Michael Altinger
Cumart, Michael Altinger

Entsprechend würdigt die Begründung der Jury den Preisträger: Nevfel Cumart zählt zu den produktivsten Lyrikern der jüngeren Generation in Deutschland. In seinen Gedichten schlägt er eine Brücke zwischen Menschen verschiedener Kulturen. Mit einfachen, ungekünstelten Worten offenbart er seine eigenen Gefühle und geht einfühlsam den Empfindungen anderer nach (…)

Laudator war der Kabarettist und Autor Michael Altinger (rechts im Bild); der »Fränkische Tag« veröffentlichte bereits vor der Preisverleihung ein interessantes Interview mit Nevfel Cumart, das hier als PDF-Download nachzulesen ist.